Im Flur standen fremde Schuhe.Groß, abgetragen, mit getrocknetem Schlamm in den geriffelten Sohlen, der nun in kleinen Körnern auf den hellen Teppich rieselte, als würden sie sich allein durch ihre Anwesenheit die Wohnung aneignen.
Kszénia erstarrte im Türrahmen. Ihre Hand lag noch an ihrem Schal, aber sie ging nicht weiter. Es war, als hätte sich sogar die Luft im Inneren verändert: Der vertraute Duft von Vanille und frischer Wäsche war verschwunden, ersetzt durch einen schweren, störenden Geruch — abgestandene Nahrung,
verschwitzte Kleidung und ein zu starkes, stechendes Blumenparfum, das nichts überdeckte, sondern alles nur erdrückte.Aus der Küche drang lautes Schmatzen und das monotone Geräusch eines eingeschalteten Fernsehers.— Du bist zurück — sagte eine Stimme.
Antonina Sergejewna trat hinter der Ecke hervor, als würde sie schon lange hier wohnen. Sie wischte sich die Hände an einem bestickten Küchentuch ab — dem, das Kszénia nur zu besonderen Anlässen hervorgeholt hatte. Der Morgenmantel wirkte an ihr fremd, ebenso die Hausschuhe:
ein altes Geschenk von Maksim, das einst für Kszénia bestimmt gewesen war.Hinter ihr trat langsam Stas hervor. Sein Haar war fettig und klebte im Nacken, in der Hand hielt er ein halb aufgegessenes Gebäck — genau dasselbe, das Kszénia am Vortag für ihre Tochter gebacken hatte.
— Was… was machen Sie hier? — fragte Kszénia, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.Antonina stemmte die Hände in die Hüften.— Stell dich nicht dumm. Maksim ist verschwunden, seit sechs Monaten kein Lebenszeichen. Diese Wohnung gehörte ihm. Und was ihm gehörte, gehört auch uns. Jetzt sind wir dran.

Stas grinste.— Wir richten uns hier ein. Du kochst. Ganz einfach.Kszénia wich gegen die Wand zurück.Sechs Monate zuvor war alles anders gewesen.Maksim — der goldhändige Tischler, der Möbel neues Leben einhauchte — hatte sich durch ein einziges schlechtes Geschäft verschuldet.
„Nur noch ein letzter Auftrag, dann wird alles gut“, hatte er gesagt. Doch sein Partner verschwand, die Maschinen verschwanden, und schließlich ging Maksim als Mechaniker auf ein Fischerboot.„Ich komme bald zurück“, hatte er gesagt.
Dann wurden die Anrufe seltener.Schließlich hörten sie ganz auf.Das Schiff geriet in einen Sturm. Und Maksims Name wurde zu nichts als einer Lücke.— Das ist eine gemeinsame Wohnung — sagte Kszénia plötzlich, als würde sie sich an ihrer eigenen Stimme festhalten. — Ich zahle den Kredit. Das ist nicht…
— Wer hat die Anzahlung geleistet? — fiel Antonina ihr scharf ins Wort. — Wer hat am Anfang bezahlt?Stas lachte leise.— Vergiss es. Wir bleiben sowieso. Und das Kind soll mir nicht im Weg sein, wenn ich streame.In diesem Moment öffnete sich die Tür einen Spalt.
Varya stand dort.Kszénia stellte sich sofort vor sie, als könnte ihr Körper sie schützen.— Es reicht — sagte sie leise. — Ich rufe die Polizei.Antonina lächelte.— Ruf ruhig. Wir werden sehen, wer zuletzt lacht.Und von diesem Moment an war die Wohnung kein Zuhause mehr.
Die Tage verschwammen. Der Fernseher wurde nie leiser. Die Nächte waren erfüllt von Schreien, Türenschlagen und fremden Schritten. Varya sprach immer weniger und hatte immer mehr Angst.Die Polizei zuckte schließlich nur mit den Schultern.
— Zivilrechtliche Angelegenheit. Klagen Sie.Eines Abends rannte Varya weinend zu ihrer Mutter und hielt eine zerdrückte Holzschachtel in den Händen.— Stas hat sie kaputt gemacht…Und etwas in Kszénia zerbrach endgültig.Am nächsten Morgen kam Timur.

Nicht allein.Große, düstere Männer betraten die Wohnung, mit Werkzeugen und Dokumenten in den Händen.— Wir sind Mieter — sagten sie ruhig.Und die „Renovierung“ begann.Bohren. Lärm. Staub. Wasserabschaltungen. Stromausfälle.
Die Wohnung, die man ihnen nehmen wollte, wurde unbewohnbar.Stas wurde zuerst wütend.Dann nervös.Dann verschwand er.Antonina kämpfte noch, schrie, drohte — schließlich packte auch sie ihre Sachen.— Ihr werdet das bereuen! — schrie sie von der Tür aus.
Dann kehrte Stille ein.Nicht diese beängstigende Stille.Sondern die echte.Als sie zurückkehrten, war die Wohnung anders.Sauber. Leer. Ihr Eigen.Am Abend kam Timur mit einer Pastete vorbei.— Kann ich reinkommen?Das Mädchen bekam eine kleine Holzbox von ihm.
Sie öffnete sie.Darin war eine geschnitzte Holzburg. Filigran gearbeitet, als wäre eine ganze Welt darin erschaffen worden.Der Brief sagte nur:„Deine Stadt ist fertig. Sei mutig. Dein Vater ist immer bei dir.“Varya begann zu weinen.Nicht aus Angst.
Sondern zum ersten Mal — aus Erleichterung.Ein Jahr verging.Kszénia wurde in der Druckerei befördert. Varya lernte Holzschnitzerei und begann wieder zu lachen.Das Leben baute sich langsam, vorsichtig, aber stetig wieder auf.Eines Abends setzte sich Timur still neben sie.
Er sagte nicht viel.Er legte einfach seine Hand auf Kszénias.Und diesmal zog Kszénia sie nicht weg.


