Ich ging zu einer 47-jährigen Frau mit Wein und der Hoffnung auf einen gemütlichen Abend, aber ich ging, bevor das Hähnchen kalt geworden war.

An diesem Abend bereitete ich mich mit besonderer Sorgfalt vor. Nicht hastig, nicht gehetzt, sondern mit jener ruhigen, aufmerksamen Langsamkeit, die man nur dann hat, wenn man spürt, dass einem ein Treffen Gewicht verleiht, auch wenn man noch nicht genau sagen kann, warum.

Ich zog das „eine besondere“ Hemd an, das mir meine Tochter zum Geburtstag geschenkt hatte. Es war weder teuer noch auffällig, aber es trug eine persönliche Wärme in sich, die kein gekauftes Kleidungsstück ersetzen kann.

Solche Dinge trägt man nicht jeden Tag. Man bewahrt sie für Momente auf, in denen man nicht nur ordentlich aussehen will, sondern innerlich und äußerlich in Ordnung sein möchte.

Unterwegs hielt ich an, um Wein zu kaufen. Ich wollte weder etwas zu Protziges noch etwas zu Einfaches.

Etwas, das zu einem ruhigen Abendessen passt, wenn man nichts beweisen muss, sondern einfach nur da sein will. Zwischen den Regalen zögerte ich einige Minuten.

Ich schwankte zwischen zwei Flaschen, als ginge es um eine wichtige Entscheidung und nicht nur um Wein. Dann erinnerte ich mich, dass Larisa einmal ganz nebenbei erwähnt hatte, dass sie trockenen Rotwein mag.

Nicht betont, nur eine beiläufige Bemerkung in einem Gespräch. Schließlich nahm ich die Flasche mit dem Schloss auf dem Etikett und der Aufschrift „Linkes Ufer“. Irgendetwas daran fühlte sich richtig an.

Als ich zu ihr fuhr, bemerkte ich, dass ich lächelte. Ohne besonderen Grund, aber mit einer stillen, vorsichtigen Erwartung.

Diese leise Hoffnung, die man nicht laut ausspricht. Vielleicht würde dies jener seltene Abend sein, dachte ich, an dem man keine Rolle spielen muss.

An dem man nicht besser erscheinen muss, als man ist. Einfach gegenüber jemandem sitzen und sich nicht anspannen.

Das „besondere Hemd“ wurde zu einer Art Talisman.
Der Wein zu einer kleinen Aufmerksamkeit, geboren aus einer beiläufigen Erinnerung.
Und in meinem Kopf formte sich ein ruhiger, erwachsener Abend.

Ich lernte Larisa online kennen. Mit 49 wirkt das immer noch ein wenig seltsam, aber nach einer Scheidung sucht man seine Wege nicht mehr so sorgfältig aus. Man lernt einfach neu, wie Verbindung funktioniert.

Ich registrierte mich nachts, fast im Halbschlaf. Am Morgen, als ich mein Profil erneut las, wirkte es etwas unbeholfen: „suche angenehme Gespräche, vielleicht mehr“. Ein vorsichtiger Satz, aber ehrlich gemeint.

Sie schrieb zuerst. Kurz und schlicht: „Sie haben ein schönes Lächeln auf Ihrem Foto.“ Ich starrte lange auf die Nachricht, als wäre sie ein Rätsel.

Schließlich antwortete ich: „Das ist das einzige Foto, auf dem ich nicht blinzele.“ Es war nichts Besonderes, aber etwas in mir lockerte sich.

Später erzählte sie, dass sie sechs Monate angemeldet war, dann ihr Profil gelöscht und später wieder zurückgekehrt ist. Sie wusste selbst nicht genau, wonach sie suchte. Ich auch nicht.

Aber das musste man nicht aussprechen. Abende können lang sein in einer leeren Wohnung, und Stille kann schwerer wiegen als schlechte Gesellschaft.

Wir hatten uns bereits dreimal getroffen: Kaffee, Spaziergänge und einmal ein Abendessen. Larisa lachte leicht, berührte manchmal kurz meine Hand, wenn sie etwas betonte.

Das waren kleine Gesten, aber sie bedeuteten viel. Auf dem Heimweg dachte ich jedes Mal: Vielleicht könnte das funktionieren.

Keine großen Gefühle, kein Drama — nur etwas, das langsam zwischen zwei Menschen entsteht.

Als sie schrieb: „Komm am Freitag, ich koche Abendessen“, las ich die Nachricht dreimal. Ich wollte nicht zu sehr daran glauben. Trotzdem war sie warm, klar, fast vertraut.

Dann kam der Abend.

Die Tür öffnete sich fast sofort, als hätte sie direkt dahinter gewartet. Larisa stand in einem eleganten Kleid vor mir. Sie sah schön aus, gepflegt, selbstsicher.

Doch schon im ersten Moment spürte ich eine seltsame Distanz. Nicht in ihren Worten, sondern in der Atmosphäre.

Es war kein „Hallo“.
Es war einfach: „Komm rein.“

Die Wohnung war makellos aufgeräumt. Zu makellos. Alles hatte seinen festen Platz, nichts wirkte zufällig.

Aus der Küche kam ein angenehmer Duft von Gebratenem — wahrscheinlich Hähnchen mit Kräutern. Die Luft war angenehm, aber fremd.

Ich reichte ihr den Wein. Sie nahm ihn, sah ihn an und stellte ihn auf den Tisch. Sie öffnete ihn nicht. Diese kleine Geste sagte mehr als Worte.

„Setz dich“, sagte sie und deutete auf das Sofa im Wohnzimmer.

Nicht neben sie, nicht nah — sondern gegenüber. Als wäre zwischen uns bereits eine unsichtbare Linie gezogen worden.

In diesem Moment wusste ich es noch nicht, aber etwas war bereits entschieden.

Larisa sprach nicht hastig. Sie wählte ihre Worte sorgfältig, als hätte sie sie lange vorbereitet.

„Ich glaube, ich muss dir gleich am Anfang etwas sagen“, begann sie.

Ich nickte, doch innerlich spannte ich mich an.

„Du bist ein guter Mensch. Aufmerksam, ruhig…“, sagte sie mit einem schwachen, aber kühlen Lächeln. „Aber ich fühle nicht das, was ich fühlen sollte.“

Der Satz war nicht hart. Nicht grausam. Nur klar und endgültig.

Und seltsamerweise spürte ich keine Wut, keine Verletzung. Nur Stille — und eine langsame Erleichterung, als hätte ich etwas zu lange Getragenes endlich abgesetzt.

„Ich verstehe“, sagte ich schließlich.

Und ich meinte es ernst. Nicht weil ich keine Hoffnung gehabt hätte, sondern weil in ihrer Stimme kein Zweifel mehr blieb.

Wir sprachen noch ein paar Minuten. Höflich, distanziert. Über Arbeit, Weg, Alltag. Der Wein blieb ungeöffnet, das Essen im Ofen wurde irrelevant.

Ich stand zuerst auf.

„Danke für deine Ehrlichkeit“, sagte ich, ohne Vorwurf.

Sie brachte mich zur Tür. Das „Auf Wiedersehen“ war weicher, aber immer noch fern.

Im Treppenhaus blieb ich einen Moment stehen. Nicht aus Schmerz, sondern um den Abend in mir zu ordnen. Dann trat ich hinaus in die kalte Luft.

Und etwas Unerwartetes geschah: Ich lächelte.

Das Hemd trug ich noch. Der Wein lag in der Tasche. Und der Abend fühlte sich nicht wie ein Verlust an, sondern wie eine abgeschlossene Möglichkeit.

Und das hatte etwas Beruhigendes.

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