Meine Mutter schenkte meiner Schwester die Datscha und schickte mir anschließend die Steuerbescheide und Rechnungen. Ich leitete alles an die neue Besitzerin weiter.

Auf dem Foto lagen vier Rechnungen. Mama hatte sie sorgfältig fächerförmig auf dem Küchentisch ausgelegt, damit man jeden einzelnen Betrag deutlich erkennen konnte.

Mitgliedsbeitrag – 11.200 Rubel.
Beitrag für die Reparatur der Zufahrtsstraße – 2.800.
Strom – 1.340.
Dazu noch ein Steuerbescheid über knapp 2.000 Rubel.

Unter das Foto schrieb sie nur:

„Bitte bis Freitag bezahlen. Danach fallen Säumniszuschläge an.“

Es gab nur ein kleines Problem.

Diese Datscha gehörte seit Februar nicht mehr Mama.

Sie hatte sie meiner jüngeren Schwester Lena geschenkt.

Um die Datscha hatte ich mich gekümmert

Das Grundstück war alt. Sechshundert Quadratmeter, ein kleines Holzhaus mit Veranda und ein Apfelbaum direkt am Zaun. Seine Äste ragten schon seit Jahren zum Nachbargrundstück hinüber. Jeden Frühling nahmen wir uns vor, sie zurückzuschneiden, und jedes Mal wurde es wieder aufgeschoben.

Nachdem Papa gestorben war, fuhr Mama immer seltener dorthin.

Und nach und nach blieben all die kleinen Aufgaben an mir hängen.

Ich bezahlte die Beiträge. Ich übermittelte die Zählerstände. Ich suchte einen Handwerker, als das Dach undicht wurde. Im Herbst stellte ich das Wasser ab. Im Frühjahr öffnete ich das Haus, fegte die trockenen Blätter von der Veranda und kontrollierte, ob die Wände feucht geworden waren.

Lena kam ein paar Mal im Sommer vorbei. Meistens mit ihren Kindern, für ein Wochenende. Sie grillten, pflückten Äpfel und blieben manchmal über Nacht.

Ich hatte nie aufgerechnet, wer wie viel gemacht hatte.

Es war Mamas Datscha, also half ich.

Gerade deshalb überraschte mich ihre Entscheidung.

Eines Abends sagte sie:

„Ich habe beschlossen, das Grundstück auf Lena zu überschreiben.“

Ich sah sie an.

„Nur auf Lena?“

„Sie braucht es mehr. Die Kinder sollen im Sommer draußen sein.“

Ich widersprach nicht.

Ich hatte ebenfalls einen Sohn, aber der war längst erwachsen. Und ich wollte keinen Streit mit meiner Schwester wegen einer Immobilie anfangen.

Es war Mamas Eigentum. Sie durfte damit machen, was sie wollte.

Nur eines konnte ich nicht vergessen.

Jahrelang hatte sie immer gesagt:

„Irgendwann gehört die Datscha euch beiden.“

Die neuen Schlösser

Zwei Wochen später waren die Formalitäten erledigt.

Lena rief mich selbst an und erzählte begeistert, dass sie das alte Sofa wegwerfen, eine kleine Laube aufstellen und für die Kinder ein Planschbecken kaufen wollte.

Dann fügte sie fast beiläufig hinzu:

„Wir wechseln auch die Schlösser aus. Wenn du mal kommen willst, sag vorher Bescheid. Unsere Sachen werden dort stehen.“

Ich war einen Moment sprachlos.

„Ich soll vorher Bescheid sagen?“

„Ja. Damit wir wissen, dass du kommst.“

Am nächsten Tag nahm ich meinen Schlüsselbund und brachte ihn zu Mama.

„Warum gibst du die Schlüssel zurück?“, fragte sie überrascht.

„Die Schlösser werden doch sowieso ausgewechselt.“

Mama sah mich einige Sekunden lang an. Dann legte sie die Schlüssel wortlos in die Schublade neben dem Eingang.

Im Sommer tauchten im Familienchat immer mehr Fotos auf.

Ein neuer Tisch auf der Veranda.

Ein Pool im Garten.

Blumen in großen Töpfen.

Später schrieb Lena, dass sie jemanden engagiert hatte, um das Gras hinter dem Haus zu mähen.

Mich lud niemand in die Datscha ein.

Und ich bat auch nicht darum.

Doch irgendwie waren die Rechnungen immer noch meine Sache

Im September schickte Mama mir ein neues Foto.

Vier Rechnungen.

Genau wie früher.

Früher hatte sie mich oft gebeten, die Rechnungen über ihre Banking-App zu bezahlen. Mit ihrem Handy klappte nie alles reibungslos: Entweder hatte sie ihr Passwort vergessen oder das falsche Fenster geschlossen. Ich bezahlte, und später gab sie mir das Geld bar zurück.

Manchmal nicht sofort.

Aber ich hatte mich nie darüber beschwert.

Diesmal war Mama allerdings nicht mehr die Eigentümerin.

Ich schrieb ihr:

„Schick sie Lena. Sie muss sie jetzt bezahlen.“

Die Antwort kam fast sofort:

„Sie hat im Moment nicht viel Geld.“

„Dann soll sie später bezahlen.“

„Dann fallen aber Säumniszuschläge an.“

„Und was habe ich damit zu tun?“

Mama rief mich an.

„Ist es wirklich so schwer für dich, die Rechnungen zu bezahlen? Du hast das doch immer gemacht.“

„Als das Grundstück noch dir gehörte.“

„Was macht das für einen Unterschied? Die Datscha bleibt doch in der Familie.“

Ich erinnerte sie an die neuen Schlösser.

Und daran, dass ich inzwischen sogar vorher Bescheid sagen sollte, wenn ich überhaupt dorthin wollte.

Mama wurde sofort wütend.

„Bring diese beiden Dinge nicht durcheinander!“

„Ich bringe gar nichts durcheinander. Du schickst mir Rechnungen für ein Haus, für das ich nicht einmal mehr einen Schlüssel habe.“

„Es geht doch nur um ein bisschen Hilfe!“

„Ich habe genug geholfen. Aber jetzt bin ich nicht mehr die Eigentümerin.“

Damit beendete ich das Gespräch.

Danach leitete ich alle Fotos der Rechnungen an Lena weiter. Ich schickte ihr auch die Telefonnummer der Vorsitzenden des Datscha-Vereins und den letzten Stromzählerstand, den ich noch in meinem Handy gespeichert hatte.

Am Abend antwortete sie:

„Du könntest sie doch vorerst bezahlen. Ich gebe dir das Geld später zurück.“

„Bezahle sie selbst. Alles, was du brauchst, steht auf den Rechnungen.“

„Ich bereite gerade die Kinder auf die Schule vor. Wir haben im Moment so viele Ausgaben.“

Ich las die Nachricht und legte mein Handy beiseite.

Das Gespräch, das alles klärte

Am nächsten Tag rief ich die Vorsitzende des Datscha-Vereins an. Ich wollte lediglich wissen, warum die Rechnungen immer noch auf Mamas Namen ausgestellt wurden.

Ihre Antwort überraschte mich.

In den Unterlagen war Mama noch immer als Eigentümerin eingetragen.

„Die neue Eigentümerin muss die Unterlagen vorlegen und einen Antrag stellen“, erklärte die Vorsitzende. „Auch der Stromanschluss muss auf ihren Namen umgeschrieben werden.“

Der Steuerbescheid betraf das vergangene Jahr. Den musste tatsächlich Mama übernehmen.

Die anderen Rechnungen hingegen betrafen die laufenden Kosten des Grundstücks.

Ich erklärte alles im Familienchat.

Mama antwortete:

„Du hättest einfach helfen können, anstatt daraus eine Buchhaltung zu machen.“

Lena reagierte mit einem Herz auf ihre Nachricht.

Am Samstag lud Mama uns beide zum Mittagessen ein.

Die Rechnungen lagen auf dem Tisch, direkt neben dem Brotkorb.

„Jetzt lasst uns das endlich erledigen“, seufzte Mama. „Wir sollten uns doch wegen Geld nicht zerstreiten.“

Ich nahm den Steuerbescheid und legte ihn vor Mama.

„Der gehört dir. Der Rest gehört Lena.“

Meine Schwester rührte die Papiere nicht einmal an.

„Ich habe die Datscha nicht bekommen, um sofort alle Rechnungen bezahlen zu müssen.“

„Das sind keine alten Schulden. Das sind Strom, Mitgliedsbeiträge und Straßenreparaturen.“

„Früher hast du das doch auch bezahlt.“

Ich sah sie an.

„Früher hatte ich die Schlüssel.“

Für einige Sekunden herrschte völlige Stille im Raum.

Dann sah Mama mich an.

„Du machst das doch nur, weil du eifersüchtig auf deine Schwester bist.“

Ich atmete tief durch.

„Nein, Mama. Du hast entschieden, ihr die Datscha zu schenken. Ich habe diese Entscheidung nie angefochten. Aber wenn sie jetzt Eigentümerin ist, gehören auch die Pflichten, die damit verbunden sind, zu ihr.“

„Ich hatte jedes Recht, mein Eigentum zu verschenken, wem ich wollte!“, fuhr Mama mich an.

„Das weiß ich. Und genau deshalb kümmere ich mich nicht mehr um die Rechnungen.“

Lena wandte sich zum Fenster.

Ich stand auf, zog meinen Mantel an und ging.

Die Rechnungen blieben auf dem Tisch liegen.

Eine Woche später ging Lena zum Büro des Datscha-Vereins, legte die erforderlichen Unterlagen vor und ließ die Einträge endlich auf ihren Namen ändern.

Später schrieb sie in den Familienchat:

„An welchem Tag muss ich den Stromzählerstand melden?“

Ich schickte ihr die Telefonnummer der Vorsitzenden.

Das war das letzte Mal, dass ich ihr bei irgendetwas rund um die Datscha half.

Danach schickte Mama mir keine einzige Rechnung mehr.

Und seltsamerweise fühlte ich mich seitdem viel leichter.

Die Datscha war nicht mehr meine Verantwortung.

Endlich gehörten die Schlüssel und die Rechnungen ein und derselben Person.

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