„Soll sie doch in dieser Einöde verrotten“, warf der Ehemann hin. Ein Jahr später griff sich die Schwiegermutter ans Herz, als sie sah, wer sie am Tor des neuen Hauses erwartete.

Roman trommelte während der gesamten Fahrt mit den Fingern im Takt eines leichten, eingängigen Popsongs aus dem Radio auf das Lenkrad. Er versuchte nicht einmal, seine gute Laune zu verbergen — obwohl er seine Frau „zur Erholung“ brachte, wie die Ärzte es formuliert hatten… tatsächlich brachte er sie in ein abgelegenes Dorf,

damit sie dort den Rest ihres Lebens verbringe.Das harte Fahrwerk des Autos verschluckte gnadenlos jede Unebenheit der Straße und hob Zlata auf dem Rücksitz bei jedem Schlag leicht an. Sie saß regungslos da, den Blick auf die abgenutzte graue Kopfstütze gerichtet, als gehöre sie nicht mehr zu dieser Welt.

— Inessa Valerjewna, vielleicht sollten Sie das Fenster öffnen, sagte Roman und warf einen Blick in den Rückspiegel zu seiner Mutter. Ich ersticke an diesem Geruch.Seine Mutter raschelte demonstrativ mit der Verpackung eines Minzbonbons.

— Ich habe gesagt, man hätte dieses widerliche Kiefern-Duftding nicht aufhängen sollen! fauchte sie. Zlata, ist dir nicht zugig? …Natürlich antwortet sie nicht. Egal. Dort wird es ihr gut gehen. Natur, Ruhe, Wald. Der Professor hat es selbst gesagt: Sie braucht Frieden. In der Stadt geht sie völlig kaputt.

— Mutter, die Nachbarn werden reden… sagte Roman, während er ein tiefes Schlagloch umfuhr. Sie werden sagen, wir hätten uns von ihr „entledigt“.— Und? zuckte sie mit den Schultern. Dich interessiert dein Projekt, mich interessiert, endlich zu schlafen.

Ich werde mich nicht den ganzen Tag um eine Kranke kümmern. Stepanida wird sich darum kümmern. Für Geld macht jeder alles.Zlata schwieg. Ohne jede Regung.Und doch war vor einem Monat alles ganz anders gewesen.

Damals erfuhr sie, dass ihr Onkel aus Murmansk gestorben war und ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen hatte. Glücklich rannte sie nach Hause und legte die Dokumente auf den Tisch. Roman trug sie fast auf Händen, seine Schwiegermutter bereitete ein Festessen vor, und das beste Porzellan wurde hervorgeholt.

Eine Woche später lud Margarita, ihre befreundete Anwältin, sie auf einen Kaffee ein.Sie hatten noch nicht einmal bestellt, da schob Margarita ihr wortlos das Handy hin.— Hör dir das an.Es war eine Aufnahme.Romans Stimme. Das Lachen einer Frau.

— Komm schon, Milana… wenn nötig, sage ich ihr: „Verreck dort am Ende der Welt.“ Sie bricht sowieso psychisch zusammen. Ich bekomme die Vormundschaft, und das ganze Geld gehört mir. Dann eröffne ich dir einen Schönheitssalon…

Zlata weinte damals nicht.Am nächsten Tag ging sie ruhig zur Bank und verschob das Geld. Dann begann sie ihr eigenes Spiel.Zuerst aß sie weniger. Dann wirkte sie schwach. Schließlich war sie „gelähmt“.Innerhalb von drei Wochen half Roman ihr kein einziges Mal. Seine Mutter stellte eine kalte Suppe hin und ging zurück zum Fernsehen.

Und jetzt waren sie hier.Zabolgje.Ein altes Haus, überwuchert von Brennnesseln, die Veranda durchgesackt. In der Tür stand eine kräftige Frau: Stepanida.— Na, die Städterin ist also da… brummte sie.Roman reichte ihr schnell einen Umschlag, setzte Zlata in einen quietschenden Rollstuhl und stieg wortlos wieder ins Auto.

— Roma… sagte Zlata leise.Der Mann drehte sich nicht einmal um.Er fuhr davon.Das Motorengeräusch entfernte sich.Stille.Stepanida trat näher und griff bereits nach Zlatas Tasche.Im nächsten Moment zuckte sie zusammen.Zlata packte ihr Handgelenk.

Dann… stand sie auf.Aufrecht.Ruhig.— Hör mir zu, sagte sie leise, aber mit einer Stimme, die keinen Widerspruch zuließ. Mein Mann hat dir Kleingeld gegeben. Ich gebe dir das Dreifache. Aber alle sollen glauben, dass ich nicht einmal gehen kann. Und das bleibt so.

Wenn du irgendjemandem etwas erzählst… siehst du keinen einzigen Cent.Stepanida konnte nur nicken.So begann es.Am nächsten Tag begann Zlata zu putzen. Tagelang arbeitete sie — schrubbte, reparierte, brachte das Haus in Ordnung. Als das Essen ausging, ging sie in den Laden.

Dort traf sie Bogdan.Der Mann blätterte nervös in Papieren.— Die Zahlen stimmen nicht… die Käserei geht bankrott…Zlata sah ihn an.— Sie geht nicht bankrott. Ihr Buchhalter manipuliert die Zahlen, um weniger Steuern zu zahlen.

Bogdan hob den Blick.— Wer bist du?— Jemand, der das in Ordnung bringen kann. Im Gegenzug brauche ich Hilfe.Das war der Deal.Innerhalb von drei Monaten wurde aus dem verlustreichen Betrieb ein profitables Unternehmen. Betrug wurde aufgedeckt, ein neues System aufgebaut.

Und währenddessen… entstand etwas anderes.Ein Jahr verging.Roman kehrte zurück.Er war sicher, eine kranke, hilflose Frau vorzufinden.Doch statt der verfallenen Hütte stand dort ein gepflegtes Haus.Und in der Tür stand Zlata.Gesund.

— Du bist wegen des Erbes gekommen? fragte sie ruhig.Romans Gesicht wurde blass.— Du… du kannst laufen?!— Ich konnte immer laufen.Roman tobte und forderte das Geld.Da trat Bogdan hinter ihr hervor.Roman wich zurück.

Vor Gericht kam alles ans Licht.Das Erbe war kein gemeinsames Vermögen.Und Roman… verlor alles.Zlata verließ das Gebäude.Bogdan wartete draußen.— Gehen wir nach Hause? fragte er.Zlata lächelte.— Ja.Zum ersten Mal… bedeutete dieses Wort wirklich das, was es immer hätte bedeuten sollen.

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