— Soll diese Kuh meine Socken waschen — lachte der Ehemann in den Armen seiner Geliebten, während die Ehefrau sie von der Schaufensterscheibe aus beobachtete.

— „Lass diese Henne meine Socken waschen!“ lachte Viktor, während er die junge Verkäuferin fest an sich zog.

— „Und sie merkt wirklich nichts?“ kicherte Aljona und richtete ihren Lippenstift vor dem Spiegel.

— „Ach komm schon… wie sollte sie auch etwas ahnen? Sie denkt doch immer noch, ich schufte in Meetings.“

— „Oh schau… da kommt jemand.“

Marina blieb vor dem Schaufenster des Juweliergeschäfts stehen.

Für einen Moment wurde die Welt um sie herum still.

Dann hörte sie es.

Viktors Stimme.

Dasselbe Lachen, das sie einst zu Hause gehört hatte, in ihrer Küche, in ihrem Leben — und seit drei Jahren nicht mehr.

Ihre Beine wurden weich, aber sie ließ sich nicht fallen. Sie ging weiter. Denn manchmal rennt man nicht vor der Wahrheit weg — man geht mitten hindurch.

Vor zwanzig Jahren war alles anders gewesen.

Sie hatten sich in der Fabrik kennengelernt: Marina, eine präzise Verfahrenstechnikerin, und Viktor, ein selbstbewusster Schichtleiter, der damals eher schüchtern als laut war.

Margeritensträuße, gestohlene Blicke in Lager-Ecken, geflüsterte Versprechen in ölgeschwängerter Luft.

— „Marinka, willst du mich heiraten!“ hatte er eines Tages vor allen gefragt.

— „Bist du verrückt? Alle schauen zu!“ lachte sie.

— „Sollen sie doch schauen. Ich liebe dich.“

Und Marina sagte Ja.

Dann kam Natascha. Dann Seryoscha. Kredite, müde Morgen, Sonntags-Pelmeni, zerfaserte Alltage, aus denen ein Leben wurde.

Sie arbeitete, kochte, hielt alles zusammen. Viktor brachte das Gehalt, reparierte den Wasserhahn und dachte, das reiche.

Dann schloss die Fabrik.

Und Viktor verschwand aus ihrem alten Leben.

 

„Besprechung“, sagte er immer wieder, wenn er spät nach Hause kam.

Der Geruch von Parfüm lag auf seinem Anzug.

Sein Blick wurde fremd.

Und Marina wartete. Denn wer zwanzig Jahre in ein Leben investiert hat, glaubt nicht von einem Tag auf den anderen, dass es vorbei ist.

An diesem Tag war sie nur losgegangen, um ein Geschenk für ihre Tochter zu kaufen.

Und dort sah sie sie.

Viktor und die junge Frau. Lachend. Sich umarmend. Als ob die Welt keine Rolle spielte.

— „Lass diese Henne meine Socken waschen!“ hörte sie wieder.

Marinas Herz zerbrach nicht.

Es wurde still.

Zu Hause brannte das Abendessen an.

Ihre Hände zitterten, doch ihre Gedanken waren klarer als je zuvor.

Als Viktor nach Hause kam, wusste er es bereits.

— „Wo warst du?“

— „Bei der Arbeit.“

— „War das Juweliergeschäft auch Arbeit?“

Stille.

Dann brach alles heraus.

— „Ja, ich bin mit Aljona zusammen! Und? Sie lebt wenigstens, nicht so wie du!“

Die Worte trafen wie Schläge.

Marina schrie nicht zurück.

Sie griff einfach nach dem Topf.

Und goss ihm mit einer einzigen Bewegung den heißen Borschtsch über.

Die Stille danach war lauter als jeder Streit.

Die Kinder kamen innerhalb einer Stunde.

Und als sie die Wahrheit erfuhren, gab es keine Frage mehr.

— „Papa… stimmt das?“ fragte Natascha.

— „Ich habe ein Recht auf mein Leben!“ knurrte Viktor.

— „Und hatte Mama zwanzig Jahre lang keins?“ entgegnete Seryoscha.

Die Entscheidung war schnell. Schmerzhaft. Endgültig.

— „Geh.“

Und Viktor ging.

Türknall. Leere. Ende.

 

Drei Monate vergingen.

Marina nahm ab. Sie lernte wieder, sich zu schminken, kaufte neue Kleidung und war zum ersten Mal nicht mehr „die Ehefrau“, sondern Marina Petrowna.

Im Spiegel sah sie eine Frau, die sie lange unter dem Alltag begraben hatte.

Und diese Frau… wollte nicht mehr verschwinden.

Währenddessen lebte Viktor in einer kleinen Mietwohnung.

Aljona lachte nicht mehr. Kochte nicht mehr. Wartete nicht mehr.

— „Ich bin keine Dienstmagd!“ sagte sie eines Abends. „Deine Ex-Frau hat alles ertragen. Ich nicht.“

Die Romanze starb innerhalb einer Woche.

Zurück blieben nur Rechnungen und leere Bierdosen.

Eines Nachmittags ging Marina mit einem anderen Mann durch ein Einkaufszentrum.

Igor. Ruhig, aufmerksam, echt.

Sie trafen Viktor in der Nähe des Juweliergeschäfts.

Der alte Viktor war nicht mehr da.

Nur ein erschöpfter Mann, der nicht wusste, wohin mit seinen Händen.

— „Marina…“

— „Hallo.“

Stille.

— „Du… du bist völlig anders.“

— „Ja. Und das habe ich dir zu verdanken.“

Er wollte etwas sagen. Eine Entschuldigung. Eine Erklärung. Worte, die zu spät kamen.

Doch Marina kam ihm zuvor.

— „Weißt du, was mein größter Fehler war? Zu glauben, dass es reicht, alles zu geben.“

— „Marina, ich…“

— „Nein. Ich brauche es nicht mehr.“

In diesem Moment kam Aljona aus dem Geschäft, eingehängt bei einem anderen Mann, laut lachend.

Viktor sah sie nur an.

Und zum ersten Mal verstand er wirklich, was er verloren hatte.

Marina ging weiter.

Igor trat neben sie.

Ihre Schritte waren leicht.

Nicht, weil alle Wunden geheilt waren.

Sondern weil sie sich nicht mehr erlaubte, eine „Henne“ genannt zu werden.

Und das war der erste Tag ihres neuen Lebens.

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