Reiche Kommilitonen beschlossen, einem bescheidenen Mädchen „eine Lektion zu erteilen“ — doch ein Gespräch mit ihrem Vater stellte alles richtig.

Die raschelnde Plastiktüte fiel dumpf auf den aufgeschlagenen Atlas der Veterinäranatomie. Dasha zuckte zusammen und ließ beinahe den gelben Textmarker fallen.

Gleb beugte sich über ihren Tisch und stützte die Hände auf die glänzende Oberfläche, als würde er den Raum für sich beanspruchen. Aus seinem Pullover strömte eine Mischung aus süßlichem Parfüm und frisch gebrühtem Kaffee.

Hinter ihm standen wie immer seine Begleiter: Timur, der laut auf einem Minzbonbon kaute, und Filipp, der völlig in sein neues Smartphone vertieft war.

— Hier, Dascha, — sagte Gleb mit einem herablassenden Lächeln und rückte sein silbernes Armband zurecht. — Ein kleines Geschenk vom „Komitee zur Rettung der Ästhetik“. Du trägst seit zwei Monaten dieselbe Jacke.

Das ist schon peinlich. Du ziehst den Ruf der Akademie nach unten.Im Raum wurde es still. Durch das schlecht schließende Fenster drang das monotone Brummen eines Schneepflugs.

— Man sagt, dein Vater kann kaum laufen, — fuhr er leiser fort, wodurch seine Worte noch schärfer klangen. — Lebt ihr von Kartoffeln? Keine Sorge, wir sind nicht herzlos. Wir wollten dir ein bisschen „Hilfe“ leisten.

Dasha warf einen kurzen Blick in die Tüte. Darin lag grellrosa Stoff, übersät mit billigem Schmuck. Wortlos schob sie das Paket zur Seite.— Behalt es, Gleb, — sagte sie ruhig und schloss den schweren Atlas.

— Diese Farbe steht dir besser. Sie unterstreicht dein Bedürfnis, ständig im Mittelpunkt zu stehen.Aus den hinteren Reihen kam ein unterdrücktes Lachen. Glebs Gesicht verhärtete sich.

— Hältst du dich für witzig? — zischte er und beugte sich näher. — Wir tun dir einen Gefallen.— Nein, — erwiderte Dasha gelassen. — Ihr versucht nur, euch auf Kosten anderer wichtiger zu fühlen.

Aber das wirkt eher erbärmlich. Ohne das Geld eurer Eltern seid ihr… ganz gewöhnlich.Die Klingel rettete die Situation. Die drei zogen sich zurück, doch ihre Blicke versprachen Rache.

— Das hättest du nicht sagen sollen, — flüsterte Sonja neben ihr nervös. — Die sind nachtragend.— Ich komme schon klar, — antwortete Dasha leise und schlug ihr Heft auf.

Am selben Abend saß das „goldene Trio“ in einer Ecke eines angesagten Restaurants.— Sie macht mich wahnsinnig, — knurrte Gleb und stellte sein Glas hart auf den Tisch. — Tut so, als wäre sie besser als wir.

— Dann zeigen wir ihr ihren Platz, — sagte Filipp gelangweilt, ohne vom Handy aufzusehen. — Am Samstag ist die geschlossene Party im „Empire“. Wir laden sie ein… und lassen einfach den Dresscode weg.

Timur grinste.— Und wenn alle in Schwarz und Gold erscheinen…— Kommt sie in ihrem grauen Pullover, — beendete Filipp den Satz mit einem dünnen Lächeln. — Dann holen wir sie auf die Bühne. Vor allen.

Der Plan war einfach. Und grausam.Dasha kam spät in ihre geräumige Wohnung im Stadtzentrum zurück. Aus der Küche duftete es nach frisch gekochtem Essen. Ihr Vater saß am Tisch und studierte technische Zeichnungen.

Michail Sergejewitsch war ein großer, beeindruckender Mann mit grauem Bart. Sein Bein wurde von einer speziellen Orthese gestützt.

Früher war er Tiefseetaucher gewesen. Ein Unfall hatte sein Leben verändert. Doch er hatte nicht aufgegeben — er gründete ein eigenes Unternehmen und wurde zu einem der führenden Spezialisten seines Fachs.

— Dich beschäftigt etwas, — sagte er, ohne aufzusehen.Dasha legte ihr Handy vor ihn.— Sie haben mich zu einer Party eingeladen. Es ist eine Falle.Er betrachtete die Nachricht und lächelte leicht.

— Dann gehen wir hin.— Ich will nicht mitspielen.— Manchmal ist die beste Antwort, einfach zu erscheinen, — sagte er ruhig.Am Samstagabend stand Dasha vor dem Spiegel.

Das schwarze Seidenkleid fiel elegant an ihr herab, schlicht und zugleich beeindruckend. Eine echte Goldkette glänzte an ihrem Hals.Der Club „Empire“ funkelte vor Licht und Luxus. Von oben beobachteten Gleb und seine Freunde den Eingang.

— Da kommt unser „Sozialfall“, — spottete er.In diesem Moment hielt ein großer schwarzer SUV vor dem Eingang.Zuerst stieg Kostja aus — elegant, selbstsicher im Smoking.

Er reichte Dasha die Hand. Sie trat ruhig und sicher ins Licht. Dann stieg ihr Vater aus, langsam, auf seinen Stock gestützt.Die Jungen erstarrten.Schnell liefen sie nach unten und stellten sich ihnen in den Weg.

— Schönes Kleid… geliehen? — versuchte Gleb.— Guten Abend, Gleb, — sagte Dasha ruhig. — Schade, dass dein teurer Anzug dir keine Haltung verleiht.Die Luft wurde schwer.

Plötzlich trat ein gut gekleideter Mann näher — Filippes Vater.— Michail Sergejewitsch! — sagte er respektvoll.Filipp sah ihn fassungslos an.— Das ist meine Tochter, — erklärte Michail ruhig.Stille.

— Habt ihr finanzielle Probleme? — fügte er hinzu. — Wenn dein Sohn sich keine ordentliche Kleidung leisten kann…Der Mann wurde blass.— Entschuldige dich, — sagte er leise zu seinem Sohn.

— Es tut mir leid… — murmelte Filipp.Kostja trat vor.— Und du, Timur… deine Schulden sind interessant. Du solltest vorsichtiger sein.Timur nickte hastig.

— Gehen wir, — sagte Michail.Die Menge wich schweigend zurück, als sie gingen. Niemand lachte mehr.Am nächsten Tag hatte sich alles verändert.

Filipps Karten wurden gesperrt. Er musste im Lager arbeiten.Und Dasha kam weiterhin zur Vorlesung — in Jeans und Pullover.Doch niemand sah sie je wieder so an wie zuvor.

Denn alle hatten verstanden: Wahre Stärke muss sich nicht beweisen.

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