„Mit uns ans Meer? Du bist hier überflüssig!“ höhnte die Schwiegermutter. Doch ein zufälliger Anruf vom Urlaubsort brachte sie zum Weinen und ließ sie die Schwiegertochter anflehen.

— Hast du zweihunderttausend von unserem Sparkonto überwiesen? — fragte Jana und umklammerte ihr Handy so fest, dass ihre Finger weiß wurden, während die kalten Zahlen der Banking-App auf dem Display leuchteten.

— Anton… sag mir, dass das ein Fehler ist. Sie stand mitten im Flur, mit nur einem Schuh, und in der Luft hing der scharfe Geruch von Schuhcreme gemischt mit einem fremden, süßlichen Parfüm, das nicht ihr gehörte.

In der Ecke stopfte Anton hastig Flossen und eine Schnorchelmaske in eine große Tasche, vermied sorgfältig ihren Blick, als ginge ihn das alles nichts an, während aus der Küche das gleichmäßige Klirren eines Löffels zu hören war.

— Jana, übertreib nicht, sagte er schließlich und strich sich über die Jeans. — Ich habe das Geld meiner Mutter geschickt, ihr Rücken ist völlig kaputt, der Arzt hat Behandlungen verschrieben,

Sotschi ist im Moment extrem teuer, besonders die Kurzentren, ich konnte sie nicht in irgendein billiges Loch schicken. Janas Stimme wurde unnatürlich ruhig, doch ihre Augen brannten. — Also hast du unser Urlaubsgeld ausgegeben,

das Geld, das wir ein ganzes Jahr lang gespart haben, indem wir auf alles verzichtet haben, und wir sollten übermorgen abreisen. In diesem Moment trat Zinaida Arkadjewna aus der Küche, elegant in einem sandfarbenen Leinenanzug,

mit schweren Holzperlen um den Hals, ihr Blick voller Überheblichkeit. — Mit uns ans Meer? Ach bitte, du wärst nur im Weg, du musst arbeiten, es ist Hochsaison, Anton braucht Erholung, sagte sie mit einem spöttischen Lächeln.

Jana sah langsam zu ihrem Mann, doch Anton zog gerade den Reißverschluss der Tasche zu, als hätte er nichts gehört. — Hast du mein Ticket heimlich auf ihren Namen umgeschrieben? fragte Jana.

— Jana, hör auf mit diesem Verhör, Mama braucht es mehr, ich tue nur meine Pflicht, erwiderte Anton gereizt. Jana blickte auf ihre Hände, an ihrem Finger war noch die grüne Farbe vom Floristenband,

und in diesem Moment zerbrach etwas leise in ihr. Ohne ein Wort ging sie ins Schlafzimmer, zog eine alte Sporttasche unter dem Bett hervor und begann zu packen. — Was machst du da? Anton erschien in der Tür.

— Ich gehe, sagte Jana leise und zog den Reißverschluss mit Kraft zu. — Ich werde nicht mit jemandem leben, für den ich nur ein bequemer Geldautomat und eine Ersatz-Haushälterin bin. — Und wohin willst du? lachte Anton höhnisch.

— In einem Monat bist du zurück. Jana schob ihn wortlos zur Seite, ging hinaus und schlug die Tür so heftig zu, dass es durch das ganze Treppenhaus hallte. Es dauerte drei Tage, bis sie eine kleine,

feuchte Wohnung im Erdgeschoss eines alten Wohnblocks fand, in der die Wände nach Feuchtigkeit rochen und nachts ein Transformator unter dem Fenster unaufhörlich brummte.

Um nicht nachzudenken, nahm Jana zusätzliche Schichten im Gewächshaus an, ihre Hände schmerzten von den schweren Töpfen, ihre Nägel waren schwarz von Erde, doch die körperliche Erschöpfung half ihr,

nicht zu fühlen. Zwei Wochen später trat ein großer, angespannter Mann an den Tresen. — Sie haben mir drei vertrocknete Thujen verkauft, sagte er scharf und warf einen zerknitterten Beleg hin. Jana überprüfte ihn ruhig.

— Sie haben sie zwei Wochen lang nicht abgeholt, diese Pflanzen überleben das nicht. — Also ist es meine Schuld? beugte er sich näher zu ihr. — Ja, aber ich kann Ihnen einen Rabatt auf eine neue Lieferung anbieten, antwortete sie ruhig.

Der Mann, Ilja, zögerte kurz und nickte schließlich, und eine halbe Stunde später luden sie gemeinsam die schweren Töpfe in seinen Transporter, fast schweigend. — Entschuldigung für vorhin, schwierige Zeit, murmelte er.

— Kommt vor, erwiderte Jana. Am selben Abend, als sie ihren Herd schrubbte, klingelte ihr Telefon, Anton rief an, und sie nahm reflexartig ab, doch stattdessen hörte sie Zinaidas Stimme. — Leg dieses Eclair zurück, sieh dich an, nur Kefir!

— Mama, hör auf, ich bin erwachsen, ich will nach Hause, mit Jana konnte ich normal leben! platzte Anton heraus, bevor die Verbindung abrupt abbrach. Jana legte das Handy langsam hin, ohne Genugtuung zu empfinden, nur Leere.

Drei Tage später wartete Anton vor dem Gewächshaus, erschöpft, mit verbranntem Gesicht und zerknitterter Kleidung. — Jana… ich habe einen Fehler gemacht, bitte komm zurück, wir ziehen um, meine Mutter wird sich nicht mehr einmischen, sagte er leise.

Jana blieb stehen. — Du willst mich nicht aus Liebe zurück, du brauchst nur jemanden zwischen dir und ihr, antwortete sie ruhig. Anton senkte den Blick. — Das werde ich nicht mehr tun, sagte Jana und stieg in den Bus, ließ ihn zurück.

Am nächsten Tag rief Zinaida an. — Jana, ich flehe dich an, Anton geht es schlecht, er isst nicht, er arbeitet nicht! rief sie. Jana antwortete kühl. — Er ist genau das geworden, was Sie aus ihm gemacht haben, und legte auf.

Als sie aus dem Lager kam, stand Ilja dort mit einer Papiertüte. — Ich habe Ihnen etwas mitgebracht, sagte er verlegen und reichte sie ihr, darin waren zwei Packungen teurer Kaffee. Jana lächelte leicht. — Das ist zu viel. — Nein, das ist, weil Sie ehrlich sind, sagte Ilja.

Jana sah ihn einen Moment lang an und nickte. — Ich habe eine Kaffeemaschine, Pause in zehn Minuten. Als sie zwischen den grünen Pflanzen entlangging, atmete sie tief ein, umgeben vom Duft von Erde und Blättern, die Zukunft war ungewiss, aber zum ersten Mal wusste sie eines sicher: Sie lebte endlich ihr eigenes Leben.

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