„Meine Mutter kommt gleich zum Mittagessen, deck den Tisch und entschuldige dich dafür, dass du ihr kein Geld gegeben hast!“ — befahl der Ehemann. Und drei Stunden später erwartete ihn eine fremde Tür.

— Bist du taub?! Ich frage dich zum dritten Mal: Wann kommt endlich die Überweisung?Denis stand mitten in der engen, abgenutzten Küche und trommelte nervös mit den Fingern auf die rissige Arbeitsplatte.

Das Geräusch ließ die billigen Möbel leicht vibrieren. Nika stand am Spülbecken und schrubbte ruhig einen eingebrannten Fleck vom Herd. Die Luft war schwer, feucht, durchzogen vom Geruch einer alten Wohnung — die Lüftung funktionierte seit Jahren nicht mehr.

— Ich habe es dir schon gesagt — antwortete sie, ohne aufzusehen. — Es wird keine Überweisung geben. Das Geld gehört mir. Das Erbe meiner Großmutter. Und es wird in unsere Wohnung investiert, so wie wir es vor einem Jahr vereinbart haben.

Denis stieß laut die Luft aus.— Veronika, hör auf mit deinem provinziellen Egoismus, ja? Mein Bruder steckt in einer Notlage. Seine Frau ist schwanger. Sie brauchen jetzt eine größere Wohnung. Wenn wir die Anzahlung nicht leisten, verlieren sie die Wohnung.

Nika spülte den Schwamm langsam aus.— Dein Bruder? — sie drehte sich leicht zu ihm. — Der, der keinen Job länger als ein paar Monate hält? Und deine Mutter, die jeden Monat Geld für „Medikamente“ und Reisen bekommt?

Und wir? Wir schlafen seit fünf Jahren auf einem alten, unbequemen Sofa in einer Mietwohnung, die auseinanderfällt.Denis’ Gesicht wurde rot.

— Wir bekommen das alles zurück! Es ist nur vorübergehend! Du bist immer so… meine Mutter hatte recht, du bist egoistisch!Nika antwortete nicht. Nur Müdigkeit lag in ihrem Blick. Sie dachte an ihre Großmutter

— an die zitternden Hände, die jeden Geldschein sorgfältig beiseitegelegt hatten. „Das ist dein Start, mein Kind. Verschwende es nicht.“Denis zog bereits seinen Mantel an.

— Hör zu — sagte er von der Tür aus. — Meine Mutter kommt zum Mittagessen. Mach alles ordentlich, koch etwas Vernünftiges und entschuldige dich dafür, dass du ihr kein Geld gibst. Verstanden?

— Verstanden — sagte Nika leise.Die Tür knallte zu. Staub rieselte von der Decke.Stille.Nika griff langsam nach ihrem Telefon.— Guten Tag… Herr Matvey? Wir müssen reden.

Am anderen Ende ein müdes Seufzen.— Wenn Denis wieder über den Wasserdruck klagt, drehe ich ihm persönlich den Hahn zu.— Es geht um etwas anderes — sagte sie. — Ihr Neffe sucht doch eine Wohnung, oder?

Eine Pause.— Ja… warum?— Er kann einziehen. Wir ziehen aus.Stille.— Du meinst das ernst?— Absolut.Innerhalb von anderthalb Stunden standen Kartons an der Tür. Der Umzugshelfer arbeitete schnell und schweigend

Die Wohnung wurde mit jedem Gegenstand fremder — Tassen, Decken, kleine gemeinsame Erinnerungen verschwanden Stück für Stück.Nika nahm nur ihre Sachen: Bücher, Kleidung, eine Kaffeemaschine, einige Küchenutensilien.

Dann erschien eine Nachricht:„Nika 😍 Denis hat gesagt, das Geld ist geregelt. Schick bitte 100.000 für den Kinderwagen, der ist gerade im Angebot!!“

Nika starrte auf den Bildschirm. Keine Antwort. Sie sperrte das Handy.Mittags war die Wohnung leer.Um 12:30 Uhr kam der neue Mieter — jung, kräftig, entspannt. Er setzte sich sofort aufs Sofa, als hätte er nie woanders gewohnt.

Punkt 12:50 bog Denis’ Auto in den Hof ein. Seine Mutter saß neben ihm, festlich gekleidet.— Wir sind da! — rief Denis beim Eintreten. — Hoffentlich ist das Essen fertig!

Dann erstarrte er.Im Wohnzimmer saß ein Fremder auf ihrem Sofa.— Wer zum Teufel bist du?! — fuhr Denis ihn an.— Mieter — sagte der Mann ruhig. — Ich habe bezahlt.

Hinter ihm trat Matvey hervor.— Deine Frau ist ausgezogen — sagte er sachlich. — Sie hat den Vertrag gekündigt. Das ist jetzt eine Mietwohnung.

Denis wurde blass.— Das ist meine Wohnung!— Nein — schüttelte Matvey den Kopf. — Du hast sie gemietet.Der neue Mieter stand langsam auf. Größer. Stärker.

— Pack deine Sachen, Kumpel.Draußen saß Nika im Umzugswagen. Ruhig. Zu ruhig.Das Telefon klingelte. Sie schaltete den Lautsprecher ein.— NIKA!! WAS SOLL DAS?! — schrie Denis.

— Ein Umzug — sagte sie einfach.— Bist du verrückt?! Meine Mutter, mein Bruder — alle sind dort!— Dann sollen sie sich gegenseitig helfen — antwortete sie. — So wie du es gesagt hast.

Stille.Dann brach Denis’ Stimme:— Ohne mich hast du nichts!Nika sah aus dem Fenster. Der Regen hatte aufgehört. Die Stadt glänzte sauber und hell.

— Doch — sagte sie leise. — Genau hier fängt es an.Sie beendete den Anruf.Der Wagen fuhr los und ließ die alte, stickige Welt hinter sich — und brachte Nika in etwas Neues, Stilleres und endlich ganz ihr Eigenes.

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