Mein Mann brachte seine Ex-Frau und ihr Kind in unser Haus: „Sie haben nirgendwohin zu gehen“ — ich packte ihre Sachen und setzte sie vor die Tür.

Mein Mann ließ seine Ex-Frau in meine Wohnung einziehen: „Sie hatten nirgendwohin“ — also packte ich ihre Sachen

— Warum stecken fremde Füße in meinen Hausschuhen?

Lera stand erschöpft im Flur und starrte auf das Bild vor ihr. Sie hatte zehn Stunden am Stück gearbeitet, ihre Schultern schmerzten, ihre Beine waren schwer, und alles, was sie wollte, war endlich in ihrem eigenen Bett zu liegen.

Doch das Zuhause, das sie betrat, war nicht mehr dasselbe.

Ein schmutziger Frauenstiefel hatte einen matschigen Fleck auf ihrem Lieblingsteppich hinterlassen. Daneben lagen achtlos hingeworfene Kinderschuhe. Der größte Schock aber war, dass jemand anderes in ihren weichen Hausschuhen steckte.

Drei riesige karierte Taschen voller Kleidung standen an der Wand. Auf der Kommode lag der Schlüsselbund ihres Mannes Viktor.

Aus der Küche zog der Geruch von gebratenen Kartoffeln herüber, vermischt mit einem starken, süßlichen Parfüm, das Lera die Kehle zuschnürte.

— Viktor! — rief sie.

Ein paar Sekunden später erschien ihr Mann in der Küchentür. Er trug eine Jogginghose und ein altes T-Shirt. Auf seinem Gesicht lag dieses unangenehme Lächeln, das gleichzeitig entschuldigend und selbstsicher wirken sollte.

Hinter ihm stand eine schlanke Frau in einer geblümten Bluse.

Lera erkannte sie sofort.

Rita.

Die Ex-Frau ihres Mannes.

— Lera, bitte reg dich nicht sofort auf, — sagte Viktor und ging auf sie zu.

— Ich rege mich nicht auf, — antwortete sie kühl.

Sie zog ihre Schuhe aus, schob die fremden Stiefel zur Seite und ging weiter in die Wohnung.

— Ich möchte nur wissen, warum fremde Menschen in meiner Wohnung sind.

Viktor kratzte sich am Hinterkopf.

— Weißt du… es gab ein kleines Problem.

— Rita wurde aus ihrer Wohnung geworfen.

— Sie wäre auf der Straße gelandet. Und der kleine Misi ist auch da. Ich konnte sie nicht einfach allein lassen.

Lera blickte über Viktors Schulter in die Küche.

Rita stand am Herd, als würde sie dort schon seit Jahren kochen. Sie hatte Salz und Pfeffer umgestellt, als wäre es ihre eigene Küche. Der siebenjährige Junge trank Tee aus Lerаs Lieblingstasse.

— Hallo, — sagte Rita leise.

— Ich hoffe, wir stören nicht lange. Viktor meinte, ihr hättet ein freies Zimmer.

Lera sah langsam zu ihrem Mann.

— Viktor hat das gesagt?

Der Mann lächelte verlegen.

— Lera, mach bitte keine Szene vor dem Kind.

— Es geht um Menschen. Wir sind eine Familie. Wir müssen einander helfen.

— Familie? — wiederholte Lera.

— Interessant. Und wann genau hast du beschlossen, dass du über meine Wohnung für andere Menschen verfügen kannst?

Viktor seufzte.

— Sie bleiben nur vorübergehend.

— Wie lange?

— Ein paar Wochen. Sie finden schon etwas.

Lera sah sich um.

Das Abendessen wurde in ihrer eigenen gusseisernen Pfanne zubereitet. Auf dem Tisch stand die teure Butter, die sie nur für sich selbst gekauft hatte. Die Hälfte der Packung war bereits verschwunden.

Rita verhielt sich nicht wie ein Gast.

Sie verhielt sich, als wäre sie nach Hause gekommen.

Lera hatte Viktor vor drei Jahren geheiratet. Damals war er mit einem Rucksack, großen Plänen und wenig Geld bei ihr eingezogen.

Aber die Wohnung gehörte Lera.

Sie hatte jahrelang dafür gearbeitet. Sie hatte den Kredit, die Renovierung und die Möbel bezahlt.

Und jetzt hatte ihr Mann einfach seine Ex-Frau und deren Kind dort einquartiert.

— Gut, — sagte Lera schließlich mit müder Stimme.

— Ihr könnt heute Nacht bleiben.

Viktor entspannte sich.

— Siehst du? Ich wusste, dass du es verstehen würdest.

— Aber morgen früh geht ihr.

Das Lächeln verschwand sofort aus seinem Gesicht.

— Lera…

— Das Gespräch ist beendet.

Sie ging ins Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich.

Am nächsten Morgen wurde Lera nicht von Stille geweckt.

Sondern vom Geräusch eines Mixers.

Es war Samstag. Acht Uhr morgens.

Lera zog ihren Morgenmantel an und ging hinaus.

Die Taschen waren verschwunden.

Aber stattdessen hingen fremde Jacken im Flur.

Im Badezimmer standen Ritas Shampoos, Cremes und zahlreiche Fläschchen auf Lerаs Regal.

Und in der Küche herrschte bereits eine gemütliche Frühstücksatmosphäre.

Rita machte Pfannkuchen.

Viktor saß am Tisch und aß zufrieden.

— Guten Morgen! — lächelte Rita.

— Wir haben Frühstück gemacht. Setz dich, ich mache dir Kaffee.

Lera schaute nur.

Auf die Krümel auf dem Tisch.

Auf das schmutzige Geschirr.

Auf den mit Teig verschmierten Mixer, den sie höchstens einmal im Jahr benutzte.

— Rita, — sagte sie ruhig.

— Warum sind deine Sachen immer noch hier?

Stille.

Viktor legte seine Gabel hin.

— Lera, fang nicht schon morgens mit Streit an.

— Ich habe nur gefragt.

— Wohin sollen sie denn gehen? Sie haben keinen Ort.

— Warum haben sie keinen?

Lera sah Rita an.

— Warum wurden Sie aus der Wohnung geworfen?

Rita schaute weg.

Viktor antwortete schnell:

— Der Vermieter war schwierig.

— Inwiefern schwierig?

— Egal!

Der Mann trat näher.

— Ich bin ein Mann. Ich muss solche Probleme lösen.

Lera lächelte bitter.

— Als Mann hättest du ihnen vielleicht ein Hotel bezahlen sollen.

— Oder eine andere Wohnung suchen.

— Aber nicht mein Zuhause in eine kostenlose Unterkunft verwandeln.

Rita drehte sich plötzlich um.

— Wir sind keine Belastung!

— Viktor hat gesagt, dass hier alles gemeinsam ist!

Lera erstarrte.

— Alles gemeinsam?

Rita fuhr verärgert fort:

— Er sagte, wir wären eine Familie. Er sagte, Sie würden sich sowieso nicht beschweren.

Viktors Gesicht wurde blass.

— Rita, hör auf…

Aber es war zu spät.

Lera sah langsam zu ihm.

— Was hast du gesagt?

Rita seufzte.

— Ich bin in diese Situation geraten, weil Viktor seit Monaten den Unterhalt nicht richtig bezahlt.

— Ich habe meine Kaution nicht zurückbekommen, weil ich die Miete nicht mehr zahlen konnte.

Leras Augen wurden schmal.

— Seit Monaten?

Viktor begann nervös zu erklären.

— Es waren nur vorübergehende Probleme.

— Bei der Arbeit wurden meine Prämien gekürzt.

— Die Autoreparatur war auch teuer.

Rita lachte bitter.

— Vorübergehende Probleme?

— Du schuldest mir fast zweihunderttausend!

— Wegen dir droht mir eine Zwangsvollstreckung!

Lera stand einfach da.

Alles ergab plötzlich Sinn.

Viktor wollte nicht nur helfen.

Er wollte seine eigenen Schulden verstecken, indem er seine Probleme in ihrer Wohnung unterbrachte.

Kostenloses Wohnen.

Kostenloses Essen.

Kostenloser Komfort.

Bezahlt mit ihrem Geld.

— Also war das dein Plan? — fragte Lera.

— Dass ich euch monatelang versorge, eure Wäsche wasche und hinter euch aufräume?

Viktors Gesicht wurde rot.

— Du bist eine egoistische Frau!

— Du gönnst einem Kind sogar ein Stück Brot nicht!

Lera sah ihn nur an.

Drei Jahre lang hatte sie geglaubt, mit einem vertrauenswürdigen Mann zusammenzuleben.

Jetzt sah sie jemanden vor sich, der versuchte, das Leben anderer Menschen auf ihren Schultern zu tragen.

— Diese Wohnung gehört mir, — sagte sie ruhig.

— Sie gehörte mir schon, bevor ich dich kennengelernt habe.

— Du hast hier nicht einmal einen gemeldeten Wohnsitz.

Viktor wurde wütend.

— Ich bin dein Ehemann!

— Und ich möchte in meinem eigenen Zuhause leben.

Lera nahm ihr Handy heraus.

— Ihr habt fünfzehn Minuten.

— Packt eure Sachen.

— Alle.

Viktor setzte sich hin.

— Ich gehe nirgendwohin.

— Ruf wen du willst. Wir werden sehen, wer mich hier rauswirft.

Lera diskutierte nicht.

Sie begann einfach zu wählen.

— Guten Tag, ich brauche Hilfe…

Viktor sprang sofort auf.

— Du rufst wirklich die Polizei gegen mich?!

Der Bildschirm zeigte noch immer nur die Zahlen.

Sie hatte den Anruf noch nicht gestartet.

Aber Viktor verstand die Botschaft.

Zehn Minuten später standen die Taschen wieder im Flur.

Rita packte nervös ihre Sachen.

Misi weinte, weil er nicht verstand, warum sie gehen mussten.

Viktor zog sich schweigend an.

An der Tür drehte er sich noch einmal um.

— Du wirst das bereuen.

— Ich werde mich scheiden lassen.

Lera nahm die Schlüssel vom Schrank.

Sie trennte ihre eigenen Schlüssel vom Schlüsselbund.

Ihrem Mann ließ sie nur den Toröffner.

— Nimm auch die restlichen Pfannkuchen mit.

Die Tür schloss sich.

Lera drehte den Schlüssel zweimal im Schloss.

Endlich war es still.

Sie öffnete das Fenster und ließ die kalte Novemberluft herein.

Eine Woche später ließ sie die Schlösser austauschen.

Viktor rief noch einige Male an.

Er sprach von Liebe.

Von Familie.

Von Reue.

Aber Lera hörte ihm nicht mehr zu.

Sie betrachtete gerade eine neue gusseiserne Pfanne.

Eine, in der nur noch ihr eigenes Frühstück zubereitet werden würde.

Ohne fremdes Öl.

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