„Mama, ab jetzt zahlt jeder für sich!“ verkündete mein Mann stolz. Doch er wusste nicht, dass ich ihm die Frikadellen in Rechnung stellen würde.

Polina richtete sich langsam auf, wischte ihre Hände am Schürzenstoff ab und sah Sergej an, als hätte er gerade eine dritte Hand auf der Stirn wachsen lassen. Sergej bemerkte ihren Blick nicht und platzierte akribisch die Würstchen in „sein“ Territorium im Kühlschrank, das er seit dem Morgen mit Malerkrepp markiert hatte.

— Meinst du das ernst, Sergej? — fragte sie leise.— Absolut, — antwortete er, die Brust herausgestreckt. — Ein halbes Jahr lang dein Gejammer gehört, dass wir für den Urlaub zu wenig Geld haben. Ich habe gerechnet: Mein Gehalt ist anderthalbmal so hoch wie deins. Warum sollte ich deine Kosmetikbesuche und endlosen Joghurts finanzieren? Ab heute:

volle Freiheit. Für die Wohnung zahlen wir jeweils die Hälfte, alles andere ist Sache des Einzelnen.Polina nickte nur, widersprach nicht.Die erste Woche lief wie ein Traum für Sergej. Er kaufte teures Importbier, Berge von Räucherwaren und eine riesige Torte, die er vor der Serie verschlang,

während Polina und Dimka Grütze mit Fleischklößchen aßen.— Nicht sabbern, Dimka! — rief Sergej seinem Sohn zu, der die Torte bestaunte. — Wenn du groß bist, kaufst du dir die eigenen. Wir leben jetzt nach ehrlicher Ökonomie.Doch am zehnten Tag bekam die „ehrliche Ökonomie“ erste Risse.

Sergej kam nach Hause, erwartete dampfendes Fleisch auf dem Herd — doch nichts. Nur der leere Herd und sein Frühstücksteller in der Spüle.— Polya, wo ist das Abendessen?Polina blätterte in ihrem Buch, ohne aufzublicken.— Quark auf dem Plan. Dimka hat Kakao. Dein Essen? Im Gefrierfach. Hast du doch selbst gekauft.

Sergej kochte seine Würstchen in einem wütenden Anfall, während er bemerkte, dass kein sauberes Geschirr mehr da war.— Warum sind die Teller schmutzig? — schrie er aus der Küche.— Weil ich die Spülmaschine lade, — erklärte Polina trocken. — Tabletten kosten Geld. Meine Zeit auch.

Willst du sauberes Geschirr? Wasch selbst. Ein Tropfen Spülmittel = ein Rubel.Sergej schnaubte nur. „Sie ist aus Frust wütend“, dachte er ahnungslos. Doch der eigentliche Schlag sollte von Tamara Igorevna kommen.Am Samstag stand sie unangekündigt in der Küche.

Erwartungsgemäß wollte sie Tee und Polinas berühmte Pfannkuchen, doch stattdessen sah sie Polina Tee trinken, während Sergej verzweifelt einen angebrannten Topf schrubbte.— Was für ein Weltuntergang ist das hier? — rief Tamara Igorevna und spähte in den Kühlschrank, wo Malerkrepp die Regale zierte.

— Teilt ihr die Wohnung jetzt tatsächlich?— Mama, wir zahlen jetzt getrennt, — sagte Sergej stolz. — Moderne Menschen, weißt du? Kein Auf-dem-Hals-Sitzen mehr.Die Schwiegermutter setzte sich, blickte zuerst auf ihren Sohn, dann auf ihre Schwiegertochter. Polina zupfte an ihren Fingernägeln.

— Verstehe, — murmelte sie schließlich. — Polya, Zettel und Stift her.— Wofür? — Sergej runzelte die Stirn.— Buchhaltung, mein Lieber. — Tamara Igorevna begann, blitzschnell eine Liste aller Haushaltsleistungen zu erstellen: Klößchenportionen, Kocharbeit, Herdmiete, Pfannenabnutzung. Sergejs Nervosität wuchs.

— Mama, echt jetzt…— Bezahle, wenn du so ehrlich bist! — schrie sie und Sergej fühlte sich wie ein Kind beim Schuldgeld. „Haushalt umsonst? Hemden hängen von selbst? Träum weiter.“ Polina fügte leise hinzu:— Und ich habe alles ausgerechnet. Dreitausend Rubel für letzte Woche.

Nur für „Hausdienstleistungen“.Stille. Sergej sah zwischen seiner Mutter und Polina hin und her. Worte über „Familienwerte“ starben ihm im Hals, als er an sein Malerkrepp im Kühlschrank dachte.Dann das Schicksal: Sergej wurde gekündigt. An einem einzigen Tag verschwanden seine Abteilung und sein Gehalt.

Zuhause angekommen, setzte er sich im Flur hin, die Schuhe noch an.Polina kam, kniete neben ihm und schnürte seine Schuhe.— Zieh aus. Auf dem Herd: Suppen. Gemeinsame.— Ich habe kein Geld, nächste Woche…— Du Dummkopf, Sergej, — sagte sie leise, müde und zärtlich zugleich.

— Dimka braucht eine Jacke, ich kaufe sie. Du suchst dir einen Job. Einen richtigen.Er aß die heißen Suppen, jeder Löffel brannte seinen Hals und sein Gewissen. Vier Monate später wusste Sergej endlich, was Leben wirklich kostet. Er sah Polina sparen, um ihm einen Anzug fürs Vorstellungsgespräch zu kaufen.

Endlich erhielt er ein Angebot. Zuhause legte er Polina seine neue Karte hin:— Passwort? Geburtsdatum deiner Mutter. Nimm sie.— Und das „europäische Modell“? — sie lächelte.— Europa reicht mir. Ich will ein gemeinsames Portemonnaie. Ein gemeinsames Leben. Und Mama… wir rufen sie an. Danke für die Buchhaltung.

Zwei Jahre später lag Tamara Igorevna im Krankenhaus. Sergej war auf Geschäftsreise. Er kam nach Hause und fand Polina am Krankenbett, sie fütterte die Schwiegermutter geduldig.— Leise, sie schläft, — sagte Polina. — Ärzte sagen, Krise überstanden. Sie braucht Pflege.

Ich habe Platz im Wohnzimmer freigeräumt.Sergej sah sie an. Kein Geld, keine Rechnungen konnten das abdecken. Das war Familie. Echt, unbezahlbar.Als Tamara Igorevna eine Woche später nach Hause kam, murmelte sie, Polinas Hand haltend:

— Sitze ich wieder auf dem Hals? Wie viel schulde ich nach deiner Liste?— Du bist unbezahlbar, Mama. Wie Polya. Die Rechnungen? Wir haben sie verbrannt.Und so öffnete Sergej die Tür in ein Zuhause ohne Malerkrepp, dafür mit dem Duft von frischem, heißem Brot — gemütlich und echt.

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