Ilyja ging in die Küche, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, dass sich alles nach seinem Rhythmus richtet. Unterwegs wischte er sich mit einem Handtuch über den Hals und warf es dann, ohne nachzudenken, über die Stuhllehne.
Vera stand am Tisch, der mit einer alten Wachstuchdecke bedeckt war, und topfte gerade einen Ficus um. Ihre Hände waren voller Erde, und in der Luft lag der Geruch frischer Erde.
Sie wollte gerade ihren Mann bitten, das Fenster zu öffnen, als Ilyja sprach.— Hör zu, es gibt da etwas — sagte er, während er sich direkt aus der Karaffe Wasser einschenkte. — Rita hat Glück.
Kostjas Firma hat spontan eine Mittelmeer-Kreuzfahrt organisiert. Sie fahren morgen Nacht los, alles bezahlt.— Ich freue mich für sie — antwortete Vera ruhig. — Das haben sie sich verdient.
Ilyja setzte sich und begann, den Salzstreuer zwischen den Fingern zu drehen.— Es ist nur so… die Kinder. Es gibt keinen Ort, wo man sie lassen kann. Meine Mutter ist nicht gesund, die andere Großmutter ist beschäftigt.
Also… habe ich das geregelt.Vera erstarrte für einen Moment.— Was hast du geregelt?— Na ja… Roma, Vadik und Styas. Rita hat gesagt, dass du auf sie aufpasst.Die Erde des Ficus fiel dumpf auf die Wachstuchtischdecke.
— Wie bitte? — Veras Stimme war leise, aber angespannt.Ilyja schien die Veränderung nicht zu bemerken.— Du hast doch sowieso Urlaub. Das Haus in Zarischnoje ist leer. Frische Luft,

Wald, Ruhe. Morgen bringen sie ihre Sachen, am Sonntag fahren wir sie hin.Vera wischte sich langsam die Hände ab.— Du redest von drei Kindern… und ich erfahre das gerade zum ersten Mal?
— Warum machst du alles so kompliziert? Wir sind eine Familie.Der Satz klang so leicht, als ginge es um eine Kleinigkeit.Doch Vera spürte, wie sich etwas in ihr anspannte.
Die drei Jungen… Roma, Vadik, Styas. Drei kleine Tornados. Beim letzten Mal, als sie nur ein paar Stunden hier waren, hatten sie den Flur verwüstet, die Waschmaschine beschmiert und eine Lampe kaputt gemacht.
Rita hatte nur abgewunken: „Kinder, freie Erziehung eben“.— Und du findest das normal? — fragte Vera leise.— Übertreib nicht. Du bist sowieso zu Hause, du hast Zeit. Dann wird dir wenigstens nicht langweilig.
Das war zu viel.Vera hatte das ganze Jahr über an einem großen Architekturprojekt gearbeitet, Überstunden gemacht, Termine eingehalten, Nerven verloren.
Den Urlaub im alten Haus ihrer Großmutter hatte sie erwartet wie den einzigen Atemzug des Jahres. Sie wollte Stille. Leere. Nichts.Doch Ilyja fuhr fort:— Rita hat auch Anweisungen geschickt.
Styas braucht Pflanzenmilch, Vadik isst nichts mit Stückchen, Roma soll morgens Mathe machen. Du hast doch ein Diplom, das schaffst du.Vera lachte leise — eher ungläubig als amüsiert.
— Also werde ich nicht nur Ferienhaus-Verwalterin, sondern auch Köchin, Babysitterin und Lehrerin?— Mach kein Drama daraus — winkte Ilyja ab. — Du bist eine Frau, das muss doch passen.
Die Luft erstarrte.Vera schloss für einen Moment die Augen. Plötzlich wurde alles klar: Es ging nicht um ein Missverständnis. Sie war einfach nicht gefragt worden.
— Und gibt Rita Geld für Essen und Versorgung?— Ach komm… das sind Kinder. Du hast einen Garten, du hast Essen.— Auf Kosten meines Urlaubs.Ilyjas Gesicht verhärtete sich.
— Vera, sei nicht kleinlich.Der Streit wurde schärfer. Mit jedem Satz wurde deutlicher: Es ging nicht um die Kinder. Es ging darum, dass Ilyja es für selbstverständlich hielt, dass Vera alles übernimmt.
Vera sagte schließlich nichts mehr. Sie ging ins Badezimmer, wusch sich die Hände und ging dann ins Schlafzimmer.Ilyja lehnte sich zufrieden zurück. Er dachte, die Sache sei erledigt.
Doch zehn Minuten später hörte man das Rollen eines Koffers im Flur.Vera stand angezogen in der Tür.— Wohin gehst du? — fragte Ilyja fassungslos.— Nach Zarischnoje. In den Urlaub.
— Und die Kinder?!Vera nahm langsam den Schlüsselbund und legte den Schlüssel auf den Tisch.— Das war dein Versprechen. Nicht meins.— Das kannst du nicht machen!— Doch.
Ihre Stimme war ruhig. Zu ruhig.— Wenn du mir folgst, rufe ich die Polizei.Ilyja stand zuerst nur da. Dann schrie er. Dann drohte er. Aber Vera war bereits draußen.Drei Tage Stille.
In Zarischnoje saß Vera auf der Veranda. Die Bäume standen reglos, die Luft war klar, der Kaffee heiß.Ihr Telefon vibrierte immer wieder.Schließlich nahm sie ab.
— Vera… bitte… — Ilyjas Stimme war heiser. — Ich halte das nicht aus. Ich habe mich in die Garage eingeschlossen…— Und die Kinder?— Sie sind zu Hause… allein…
Im Hintergrund klangen Chaosgeräusche durch die Leitung.Vera blickte in den Wald.— Das wolltest du so, Ilyja.Stille.— Jetzt lern damit zu leben.Sie legte auf.Das Haus wurde wieder still.
Vera setzte sich zurück, öffnete ihr Buch und begann zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich zu lesen.Der Urlaub hatte nicht begonnen.Er war zurückgekehrt.


