Ich habe den ganzen Sommer auf der Datscha meiner Schwiegermutter gearbeitet. Im Herbst hat sie die Kartoffelsäcke gezählt und mir die Höhe meiner Schuld genannt.

— Für diese Knollen, Svetochka, überweist du mir bitte den Betrag direkt auf mein Konto, per Telefonnummer, — sagte Ludmila Borissowna mit einer Stimme, die weich und süßlich floss wie dicker Sirup.

Sie schüttelte elegant ihre wohlgepflegten, leicht rundlichen Hände ab, auf deren Nägeln eine frische französische Maniküre glänzte. — Du bist doch eine gebildete Frau, mit Hochschulabschluss. Du verstehst sicher: In dieser Welt muss alles bezahlt werden.

Ihre Worte fielen schwer in die kühle Herbstluft, so alltäglich und gleichzeitig so absurd.

Ich stand mitten auf einem umgegrabenen Feld in der Siedlung „Kiefernwald“. In meinen Händen hielt ich einen schweren Plastikeimer, randvoll mit goldgelben, sorgfältig ausgewählten Kartoffeln. Meine Handflächen brannten von Blasen,

unter den Fingernägeln klebte feuchte Erde, die sich nicht mehr herauswaschen ließ. Mein Rücken zog sich schmerzhaft zusammen, als würde er mich dazu zwingen, einfach mitten zwischen den Beeten liegen zu bleiben und mich nicht mehr zu bewegen.

All diese Ernte war eigentlich meine eigene Idee gewesen. Mein Versuch, eine Brücke zu meiner Schwiegermutter zu schlagen.

Schon im März hatte Ludmila Borissowna bei Sonntagsessen theatralisch über ihre Rückenschmerzen geklagt. Sie seufzte laut darüber, dass das Land ungenutzt sei, dass ihre Rente klein und Gemüse im Laden unerschwinglich teuer geworden sei.

Ich, Leiterin einer Finanzabteilung, gewohnt an Zahlen, Pläne und klare Strukturen, hatte plötzlich helfen wollen. Ich bot selbst an, Kartoffeln, Gemüse und Tomaten anzubauen.

„Ach, Svetochka, du Goldstück!“ hatte sie damals gesäuselt und mir Tee in feine Porzellantassen eingeschenkt.

Und ich hatte mich hineingestürzt. Jeden einzelnen Samstag, ab den ersten Maitagen, stand ich vor Sonnenaufgang auf. Während mein Mann Maxim nach seinen Dienstreisen ausschlief, fuhr ich aufs Land.

Ich brachte alles mit: von hochwertigem Saatgut bis zu teuren Abdeckplanen. Ich legte den Business-Anzug ab, zog alte T-Shirts an und wühlte mich in die Erde. Ich jäten, hackte, hockte stundenlang zwischen zähen Unkräutern. Ich schleppte schwere Gießkannen, wenn die Pumpe im Dorf wieder ausfiel.

Und Ludmila Borissowna? Sie kam ausschließlich sonntags zum Mittagessen. Setzte sich in einen geflochtenen Schaukelstuhl, stellte ein Tellerchen mit Keksen daneben und „leitete“ den gesamten Prozess.

— Svetа, du gräbst zu flach!
— Svetа, so häufelt man nicht an, so geht die Feuchtigkeit verloren!

Sie berührte nicht eine einzige Hacke. Doch wenn Nachbarinnen am Zaun vorbeikamen, verkündete sie stolz: „Seht ihr, was wir mit meinem Sohn Maxim für eine Ernte haben!“ Von mir war keine Rede.

Und nun, im September, hatte ich mir zwei freie Tage genommen, um alles vor dem Dauerregen aus der Erde zu holen. Allein. Als ich acht prall gefüllte Säcke betrachtete, empfand ich eine seltsame, primitive Form von Stolz.

Und jetzt verlangte sie Geld.

— Entschuldigung, ich habe das nicht ganz verstanden, — sagte ich leise.

Sie war nicht einmal verlegen. Aus der Tasche ihres Wollmantels zog sie ein Notizbuch mit goldener Prägung.

— Du hast schon richtig verstanden, Svetochka. Wem gehört das Land? Mir. Hast du Wasser aus meiner Pumpe benutzt? Ja. Wenn du die Säcke in die Stadt bringen willst, zahlst du für die Nutzung der Ressourcen. Das ist elementare Wirtschaft.

Ich stellte den Eimer langsam ab.

Maxim stand zwei Meter entfernt. Er polierte nervös den Seitenspiegel des Autos, als wäre er plötzlich taub geworden.

— Maxim, — meine Stimme zitterte verräterisch. — Hörst du, was deine Mutter sagt?

Er drehte sich unwillig um, trat von einem Fuß auf den anderen und wich meinem Blick aus.

— Naja… irgendwie hat Mama schon recht. Das Grundstück gehört ihr. Wir haben fremdes Eigentum genutzt. Überweis einfach, wir werden davon nicht arm.

Eine heiße, erstickende Welle stieg in mir auf.

— Ludmila Borissowna, — ich trat einen Schritt näher. — Als Sie im Frühling über Ihre Gesundheit klagten und um Hilfe baten, haben Sie vergessen zu erwähnen, dass es sich um einen kostenpflichtigen Landvertrag handelt?

Sie richtete ihren Seidenschal.

— Ich gebe dir die Ernte zum Selbstkostenpreis. Fünfundzwanzigtausend für alles. Familienrabatt.

— Familienrabatt? — wiederholte ich.

— Svet, hör auf, — Maxim wurde unruhig. — Überweis einfach. Warum sollen wir hier eine Szene machen? Es ist doch nur Kartoffelzeug.

Ich sah auf die Säcke. Jeder einzelne war das Ergebnis meiner Arbeit, meiner Wochenenden, meines Erschöpfens. Für ihn waren es nur Knollen. Für mich war es ein Schlag ins Gesicht.

— Gut, — sagte ich leise. — Dann rechnen wir eben wie im echten Leben.

Ich holte mein Handy heraus.

— Meine Investitionen: Saatgut siebentausend. Dünger sechstausend. Benzin für die Fahrten etwa vierzigtausend.

Ich sah sie direkt an.

— Und meine Arbeit. Zwanzig Wochenenden. Je zehn Stunden. Nach meinem Gehalt als Finanzdirektorin ergibt das zweihundertfünfzigtausend. Insgesamt: dreihundertdreitausend. Abzüglich Ihrer fünfundzwanzigtausend. Sie schulden mir zweihundertachtundsiebzigtausend Rubel.

Ihr Gesicht lief rot an.

— Bist du verrückt geworden?!

— Sie haben angefangen, alles in Geld umzuwandeln, — antwortete ich ruhig.

Maxim griff nach meinem Arm.

— Svet, hör auf!

Ich schüttelte ihn ab.

— Respekt muss man sich verdienen.

Dann geschah alles schnell. Ich nahm ein scharfes Gartenmesser und schnitt den ersten Sack auf. Dann den zweiten. Den dritten.

Kartoffeln ergossen sich wie eine schwere, goldene Welle auf den nassen Boden, rollten in die Erde, in Pfützen, verschmierten im Lehm.

— Du bist wahnsinnig! — kreischte Ludmila Borissowna.

— Wenn es Ihre Wirtschaft ist, dann gehört sie auch zurück in die Erde, — sagte ich ruhig und öffnete den vierten Sack.

Maxim sprang auf mich zu.

— Hör auf!

— Ich bin längst fertig, Maxim. Ich laufe nicht mehr.

Sack für Sack verwandelte sich in einen chaotischen Haufen auf dem Boden. Etwas in mir wurde still und klar.

— Undankbare! — schrie sie. — Wir haben dich in die Familie aufgenommen!

— Sie haben mein Geld aufgenommen, — sagte ich und warf das Messer weg.

Sie kniete schließlich im Schlamm, sammelte hektisch Kartoffeln in ihr teures Mantelfutter.

— Los, — sagte ich zu Maxim und öffnete die Autotür.

— Und Mama?

— Bleib bei ihr. Hilf ihr, ihr Kapital zu retten.

Im Auto herrschte Stille.

Eine Woche später war alles verändert. Und dann begann der eigentliche Krieg der Rechnungen: neue Forderungen, alte Schulden, kalte Wahrheit.

Und irgendwann verstand Maxim endlich, wem er geglaubt hatte.

Am Ende blieb nur eines: Wir kauften ein eigenes kleines Stück Land. Und dort wuchs nichts mehr außer Blumen.

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