Das Klicken des Schlosses traf mich wie ein Peitschenhieb.Ich stand auf den schmutzigen Fliesen des Treppenhauses, barfuß, mit zwei unterschiedlichen Hausschuhen.
An mir hing nur ein dünner Morgenmantel, darunter mein Nachthemd. Die Februarkälte zog frei durch das Treppenhaus und biss mir sofort in die Knöchel – als wäre sie lebendig und wüsste genau, wo es am meisten schmerzt.
„Geh ein bisschen spazieren, bis du nachgiebiger wirst“, kam es dumpf hinter der Stahltür hervor.Serg eis Stimme war nicht betrunken.
Das wäre leichter gewesen.
Sie war nüchtern.Berechnend.Kalt.Ich drückte die Klingel. Einmal. Zweimal. Dann lang und stur, als hätte sich mein Finger in Trotz verwandelt.
„Streng dich nicht an, Polina“, meldete sich nun seine Mutter, Galina Petrowna, mit heiserer, zufriedener Stimme. „Wenn du dich entscheidest, den Vertrag auf Sergejs Namen zu schreiben, dann reden wir.
Bis dahin frier ruhig hier draußen. Vielleicht bringt dich das wieder zur Vernunft. Du hast eine halbe Stunde. Danach rufe ich die Polizei und sage, eine Landstreicherin hämmert an unsere Tür.“
Ich lehnte mich an die eiskalte Wand und zitterte.Nicht nur vor Kälte –sondern vor der Erkenntnis, dass ich in der Falle saß.Drei Jahre Ehe. Drei Jahre lang war ich „meine liebe Polinka“,
solange ich zu Hause Torten auf Bestellung backte und Kleingeld nach Hause brachte. Doch vor einer Woche gewann ich eine Ausschreibung einer großen Café-Kette – und in ihnen schaltete etwas um.
Am Abend zuvor hatte Sergej mir den Vertrag hingelegt. „Du verstehst nichts vom Geschäft“, sagte er sanft und schob mir den Stift hin. „Sie werden dich übers Ohr hauen. Unterschreib.

Ich werde Geschäftsführer. Du backst weiter deine kleinen Biskuits. Wir sind doch Familie.“Ich unterschrieb nicht.Am Morgen hatte Galina Petrowna „zufällig“ mein altes Sparbuch gefunden. Der Skandal explodierte innerhalb von Sekunden.
„Ratte.“„Hinterhältig.“„Versteckt Geld hinter dem Rücken ihres Mannes.“Und jetzt stand ich hier.Ich steckte die Hände in die Taschen meines Morgenmantels, um meine Finger zu wärmen – und berührte etwas Glattes.Mein Handy.
Ich hatte es automatisch eingesteckt, als ich dem Kurier die Tür öffnen wollte, der nie kam. Alles war geplant gewesen.Kaum Empfang. Ein Balken.Akku: 12 %.
Wen sollte ich anrufen?Die Polizei würde mindestens eine Stunde brauchen. Bis dahin wäre ich erfroren.Meine Freundin wohnte am anderen Ende der Stadt.
Mein Finger blieb wie von selbst bei einem Namen stehen:„Tante Nina“.Die Schwester meiner Mutter. Meine einzige Verwandte.
Ihr ganzes Leben hatte sie auf dem Land verbracht – Imkerei,
Garten, Erde unter den Fingernägeln, Gespräche über Wetter und Ernte.Was konnte sie aus dreihundert Kilometern Entfernung tun?Mitfühlen? Mitleid haben?
Ich hatte keine Wahl.„Hallo? Polina?“ meldete sie sich frisch, als wäre es nicht spät in der Nacht.„Tante Nina …“ Mein Kiefer gehorchte mir kaum, meine Zähne klapperten.
„Sergej hat mich rausgeworfen. In die Kälte. Sie wollen mir mein Unternehmen wegnehmen. Ich bin im Treppenhaus … in Hausschuhen.“
Stille.Kein Jammern.Kein Mitleid.„Ich kenne die Adresse“, sagte sie schließlich. „Bleib dort. Klopf nicht bei den Nachbarn – schmutzige Wäsche wäscht man nicht zu früh. Ich schicke jemanden. Er hat eine Kopie.“
„Eine Kopie wovon?“ schluchzte ich. „Das ist Sergejs Wohnung …“„Mach genau, was ich sage. Warte. Zwanzig Minuten.“Sie legte auf.Ich rutschte an der Wand hinunter und zog die Knie an die Brust.Zwanzig Minuten.
Von drinnen drangen Fernsehlaute und das Klirren von Geschirr.Sie aßen zu Abend.Ruhig aßen sie meine Suppe, während ich auf dem Beton saß.
Das tat mehr weh als die Kälte.Dann schlug unten die Haustür zu.Schwere Schritte kamen näher.Ich zuckte zusammen.Ein Mann erschien auf dem Absatz.
Teurer Kaschmirmantel, kurze Haare, ruhiges Gesicht. In der Hand eine Ledertasche. Hinter ihm zwei kräftige Männer in Uniform – eine schnelle Eingreiftruppe.
Der Mann musterte mich, nahm seinen Schal ab und reichte ihn mir wortlos.„Polina Andrejewna? Ich bin Viktor Sergejewitsch. Der Anwalt von Nina Wassiljewna.“
Ich nickte und wickelte mich in die Wärme.„Wir müssen hinein. Erlauben Sie?“Er zog Schlüssel hervor.Keine gewöhnlichen.Klick. Klick.
Die Tür öffnete sich.Drinnen hielt Sergej ein Hähnchenschenkel in der Hand.Galina Petrowna schenkte gerade ein.Als sie uns sahen, verschluckte sich Sergej, und seine Mutter ließ den Korken fallen.
„Du?!“ schrie Sergej. „Wer sind diese Leute?! Ich rufe die Polizei!“„Nicht nötig“, sagte Viktor ruhig und legte die Unterlagen auf den Tisch. „Wir sind schon hier.“

