Einsturz eines Wohnhauses in Görlitz: Mögliche Ursache, vermisste Ehefrau und Aufnahmen der Unfallstelle

Ein lauter, explosionsartiger Knall zerreißt am Montag gegen 17.30 Uhr die gewöhnliche Abendruhe in der Görlitzer Innenstadt. Innerhalb von Sekunden verwandelt sich die James-von-Moltke-Straße 21 in ein Chaos aus Staub,

Trümmern und entsetztem Schreien. Dort, wo kurz zuvor noch ein mehrstöckiges Gründerzeithaus stand, klafft nun eine nahezu vollständig eingestürzte Ruine. Die Druckwelle ist so stark, dass sie in weitem Umkreis wahrgenommen wird; Anwohner berichten von einer Erschütterung, die Fenster vibrieren lässt und ganze Straßenzüge aufschreckt.

Mehrere Zeugen beschreiben den Moment als abrupt und surreal. Eine Anwohnerin sagt, es habe sich „wie eine Bombe“ angefühlt, die mitten in der Stadt detoniert sei. Ein anderer Bewohner reagiert instinktiv,

wirft sich unter einen Tisch und wählt noch unter dem Eindruck des Knalls den Notruf. Vom Balkon aus habe er Menschen schreien gehört und sofort an eine Gasexplosion gedacht. Diese Vermutung verbreitet sich schnell unter den ersten Einsatzkräften und Anwohnern, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nichts abschließend bestätigt ist.

Die genaue Ursache des Einsturzes bleibt zunächst unklar. Relativ schnell verdichtet sich jedoch der Verdacht auf eine Gasexplosion, da die Schäden und die Art des Kollapses darauf hindeuten. Die Polizei bestätigt am Abend lediglich,

dass in diese Richtung ermittelt werde, betont jedoch zugleich, dass es sich weiterhin um eine vorläufige Einschätzung handelt. Sicher ist nur eines: Das Gebäude, das vom kommunalen Großvermieter

Kommwohnen unter anderem mit fünf Ferienwohnungen sowie einer weiteren Wohneinheit genutzt wurde, ist vollständig zerstört. Von der einstigen Struktur sind nur noch Teile der Außenwände und ein unübersichtlicher Schuttberg übrig geblieben.

Kurz nach dem Unglück herrscht große Ungewissheit über mögliche Opfer. Zunächst werden fünf Personen als vermisst gemeldet. Im Laufe der ersten Ermittlungen kann jedoch Entwarnung für zwei dieser Personen gegeben werden:

Sie hatten das Gebäude noch nicht betreten und waren offenbar noch auf der Anreise, sodass sie telefonisch erreicht werden können. Übrig bleibt eine dramatische Lage mit drei weiterhin vermissten Menschen: zwei Frauen aus Rumänien im Alter von 25 und 26 Jahren sowie ein 48-jähriger Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit.

Besonders bewegend ist das Schicksal eines Angehörigen, der sich zur Zeit der Explosion in unmittelbarer Nähe aufhielt. Cosmin Ciobanu hatte die Ferienwohnung nur kurz verlassen, um in einem nahegelegenen Geschäft Kopfschmerztabletten für seine Verlobte zu

holen. Es war ein alltäglicher, unscheinbarer Handgriff – und doch sollte er sein Leben in einen Albtraum verwandeln. Als er wenige Minuten später zurückkehrt, steht er vor einem Trümmerfeld. Das Gebäude, in dem sich seine

Verlobte noch befinden sollte, existiert nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, essen kann ich auch nicht“, sagt er später in einem Interview. Die beiden hatten eigentlich vor, im Sommer 2026 zu heiraten.

Unmittelbar nach dem Einsturz wird ein Großaufgebot an Rettungskräften mobilisiert. Rund 130 Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten, Katastrophenschutz und Technischem Hilfswerk sind vor Ort im Einsatz.

Unterstützung kommt aus mehreren Bundesländern, da schnell klar wird, dass es sich um eine komplexe und zeitkritische Rettungslage handelt. Spezialteams und zusätzliche Einheiten werden nachalarmiert, um Schichten abzulösen und die Suche kontinuierlich aufrechterhalten zu können.

Die Lage im Inneren des Trümmerfeldes ist äußerst gefährlich. Mehrere Faktoren erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte erheblich. Einer der kritischsten Punkte ist weiterhin austretendes Gas, das eine ständige Explosionsgefahr darstellt.

Aus diesem Grund wird auf den Einsatz schwerer Bergungsgeräte verzichtet. Große Bagger oder Maschinen könnten zusätzliche Druckveränderungen verursachen und weitere Gebäudeteile zum Einsturz bringen. Deshalb bleibt den Helfern nur ein langsames,

vorsichtiges Vorgehen – sie arbeiten sich mit Schaufeln, Werkzeugen und teilweise sogar mit bloßen Händen durch die Trümmer, Stein für Stein, in der Hoffnung, Überlebende zu erreichen.

Gleichzeitig werden spezialisierte Suchmaßnahmen durchgeführt. Wärmebildkameras scannen das unübersichtliche Schuttfeld nach möglichen Lebenszeichen. Rettungshunde werden eingesetzt und schlagen an mehreren

Stellen im Inneren des eingestürzten Gebäudes an. Diese Hinweise sorgen einerseits für vorsichtige Hoffnung, andererseits aber auch für große Anspannung, da jeder Moment über Leben und Tod entscheiden kann.

Im Bereich des Gehwegs hingegen gibt es eine vorsichtig positive Einschätzung: Dort konnten keine Hinweise auf verschüttete Personen festgestellt werden. Das deutet darauf hin, dass sich zum Zeitpunkt des Einsturzes vermutlich keine Passanten direkt

im Gefahrenbereich befanden, auch wenn diese Erkenntnis keine Entwarnung für die Vermissten im Gebäude selbst bedeutet.

Parallel zu den Rettungsarbeiten laufen umfangreiche Sicherungsmaßnahmen an der Gasversorgung. Teile der angrenzenden Dr.-Kahlbaum-Allee werden aufgegraben, um die Gasleitung kontrolliert abzusperren. Verantwortliche der Stadtwerke erklären,

dass das Ziel sei, die Gaszufuhr bis Dienstagabend oder spätestens in der Nacht vollständig zu unterbrechen. Der direkte Hausanschluss des eingestürzten Gebäudes liegt jedoch tief unter den Trümmern und ist derzeit nicht zugänglich.

Jede Freilegung könnte instabile Strukturen zusätzlich gefährden und möglicherweise noch stehende Gebäudeteile zum Einsturz bringen.

Auch die umliegenden Wohnhäuser sind betroffen. Rund 45 Anwohner werden vorsorglich evakuiert und in Sicherheit gebracht. Viele verbringen die Nacht bei Freunden oder Verwandten, während Einsatzkräfte die Umgebung weiter absichern.

Statiker untersuchen die angrenzenden Gebäude sorgfältig und kommen zu dem vorläufigen Ergebnis, dass diese nach Abschluss der Rettungsarbeiten voraussichtlich wieder bewohnbar sein werden.

Trotz der extrem schwierigen Bedingungen geben die Einsatzkräfte die Hoffnung nicht auf. Offiziell handelt es sich weiterhin um eine Vermisstensuche und nicht um eine Bergungsaktion. Fachleute des Technischen Hilfswerks weisen darauf hin,

dass Menschen unter Trümmern in sogenannten Hohlräumen unter günstigen Umständen bis zu 72 Stunden überleben können. Diese Zeitspanne wird nun zum entscheidenden Faktor – und jede Minute zählt im Wettlauf gegen die Zeit.

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