Eine reiche Schwiegermutter verbot ihrem Sohn, seine Frau mit den Zwillingen aus dem Krankenhaus abzuholen – bis sie die Kameraaufnahme sah.

— Herkunftslos.Anna blieb wie angewurzelt vor der Tür zur Toilette stehen. Die Stimme ihrer Schwiegermutter war leise, doch jedes Wort bohrte sich wie ein glühender Nagel in ihr Herz.Tamara Stepanowna stand vor dem Spiegel, das Telefon am Ohr, ohne sich umzudrehen:

— Aus dem Heim, stell dir das vor. Sie hat niemanden. Andruscha hat sie aufgegabelt, nur um Kinder zu kriegen. Ich habe nachgeschaut — in ihrer Familie gab es keine Zwillinge. Sicher fremd. Aber er ist ein Schwächling, hat sich einwickeln lassen.

Anna presste die Hände auf den Bauch. Acht Monate. Das Kleid schnürte die Rippen ein, die Beine brannten, als wollten sie jeden Moment nachgeben.Die Schwiegermutter wandte sich zu ihr um. Ihr Gesicht blieb kalt, und doch war die Kälte durchdringend. Sie steckte das Telefon weg.

— Geht es dir schlecht? Dann geh, ruh dich aus. Aber setz dich nicht an den Tisch, du verdirbst den Gästen den Appetit. Soll ich dir ein Taxi rufen?Anna nickte stumm und verließ das Zimmer. Im Saal dröhnte Musik, Andrej brüllte einen Trinkspruch, rot im Gesicht.

Er hob nicht einmal den Blick, als sie vorbeiging.Zehn Minuten später hielt das Taxi. Anna ließ sich auf den Rücksitz sinken, die Tränen liefen ihr unkontrolliert über das Gesicht, und erst jetzt erkannte sie, dass sie weinte.Die Wehen kamen nachts, plötzlich, wie ein Schlag aus heiterem Himmel,

der ihr den Atem raubte. Anna wählte zitternd den Notruf, dann Andrejs Nummer — kein Signal.Sie rief die Schwiegermutter an.— Tamara Stepanowna, ich habe Wehen. Andrej geht nicht ans Telefon.— Er ist auf Dienstreise. Wichtige Verhandlungen. Stör ihn nicht, Anna.

Hast du den Krankenwagen gerufen? Na gut, fahr. Wir kommen später.Sie kamen nicht.Im Kreißsaal roch es nach Chlor und Metall. Der Arzt arbeitete schweigend, die Krankenschwester schaute weg. Als man Anna zwei nasse, warme, schreiende Babys auf die Brust legte

— einen Jungen und ein Mädchen — begriff sie, dass sie jetzt wirklich allein war.Die ersten drei Tage blieb das Telefon still. Am vierten rief Anna selbst an.— Andrej, wir werden bald entlassen.Pause. Dann die Stimme der Schwiegermutter im Hintergrund:

— Wage es nicht, sie abzuholen. Die Papiere sind nicht fertig, der DNA-Test nicht gemacht. Lass sie dort, bis sie alles beweist.— Anja… — Andrejs Stimme war matt, betrunken. — Mutter sagt, die Dokumente stimmen nicht. Bleib erst mal dort. Ich komme später vorbei.

— Wann später?— Keine Ahnung. Wenn wir es geklärt haben.Er legte auf.Klawdija arbeitete an der Essensausgabe, blieb aber jeden Tag bei Annas Zimmer stehen, brachte Brühe, Kekse, Servietten.— Ganz allein?— Ganz allein.— Wo ist dein Mann?— Ich weiß es nicht.

Klawdija schwieg, zog dann Windeln aus der Tasche.— Hier. Meine alten. Gewaschen, aber gut. Nimm sie.Als Anna entlassen wurde, brachte Klawdija ihren Bruder Stepan mit. Groß, gebeugt, hinkend, sprach wenig. Vorsichtig trug er die Taschen und die Tragen mit den Kindern,

drückte sie dicht an die Brust.— Wo wohnen Sie?— Ein Zimmer. Kommunalwohnung.Schweigend trugen sie die Babys in den dritten Stock. Stepan stellte die Tragen ab, musterte das Zimmer.— Die Heizkörper sind kaum warm. Kaufen Sie einen Heizlüfter.

— Mache ich. Danke.Eine Woche später tauchte Andrej auf, nüchtern, wütend, Handy in der Hand.— Mutter hat das Video gesehen.Anna wiegte die Tochter, der Junge schlief in der Ecke.— Welches Video?— Die Kamera vor der Klinik. Stepan trägt die Babys. Wer ist dieser Mann?

Anna erstarrte.— Der Bruder der Frau, die mich versorgt hat. Du bist ja nicht gekommen. Er hat geholfen.— Geholfen? Er hat dich aus dem Krankenhaus geholt wie seine Frau. Und ich soll der Idiot sein?— Du bist nicht gekommen. Deine Mutter hat es verboten.

— Sie hat nicht verboten! Sie hat gesagt, wir sollen warten, bis die Tests fertig sind.— Welche Tests? Das sind deine Kinder.Andrej trat vor, hob die Hand, blieb aber stehen. Sah die Babys an.— Mutter sagt, ich soll die Scheidung einreichen. Sie sagt, du hättest alles geplant.

Dass ich mir wegen dir das Leben ruiniert habe.Anna sah ihn ruhig an.— Dann reich ein.Er drehte sich um und knallte die Tür zu.Tamara Stepanowna hielt eine Elternversammlung an der Schule. Sie liebte die Bühne, das Publikum, die Aufmerksamkeit.

— Heute geht es um moralische Werte, — begann sie, klickte auf das Projektor-Menü. — Hier ein Beispiel…Falsch geklickt. Das Video erschien. Stepan trägt die Babys. Anna daneben, blass, Taschen in der Hand. Der Saal verstummte.

— Das ist die Schwiegertochter meines Sohnes. Sie ist mit einem fremden Mann geflohen… —— Stopp.Boris, Vater einer Schülerin, stand auf:— Ich kenne diesen Mann. Stepan Kowaljow. Vor vier Jahren hat er meinen Sohn aus einem brennenden Auto gerettet. Sie nennen ihn jetzt einen Liebhaber?

Murmeln im Saal. Tamara bleich.— Wo finde ich ihn?Tamara riss das Tablet und rannte.Am nächsten Tag kam Boris zu Anna. Kinderwagen, Kleidung, Babynahrung.— Wo wohnt Stepan Kowaljow?Anna gab die Adresse. Boris verschwand ohne Erklärung.

Am Abend rief Stepan an.— Anna, was ist passiert?— Boris war bei dir.— Ja. Er bietet mir einen Job an. Mit Gehalt.— Dann nimm ihn an.— Ich bin lahm…— Du wirst gebraucht. Nimm an.— Gut. Ich habe zugesagt. Danke.Das Video verbreitete sich in zwei Tagen in der ganzen Stadt.

Tamara Stepanowna wurde gemieden. Andrej begann zu trinken, verlor seine Arbeit.Ein Monat später kam er zu Anna.— Verzeih mir. Lass uns neu anfangen.Anna stand in der Tür. Stepan half bei der Renovierung, passte auf die Kinder auf.— Nein, Andrej.

— Aber das sind doch meine Kinder!— Deine Kinder lagen im Krankenhaus. Du bist nicht gekommen. Du hörst immer auf Mama.— Ich werde mich ändern!— Zu spät. Scheidung ist eingereicht. Geh.Er sah Stepan an.— Wegen ihm?

— Wegen dir. Weil du kein Mann bist. Geh.Er ging. Kam nicht zurück.Sechs Monate später schob Anna den Kinderwagen. Stepan ging an ihrer Seite, hielt ihre Hand. Die Kinder lachten. Anna ging vorbei, ohne langsamer zu werden. Tamara Stepanowna stand allein. Andrej trank, verlor alles.

Anna sah nach vorn. Grün. Frühling. Kinderlachen. Reinster Klang der Welt.

Visited 16 times, 1 visit(s) today
Scroll to Top