Der Scheidungsantrag lag im Auto: Der Schwiegersohn enthüllte die Manipulationen seiner Schwiegermutter vor der Reise auf die Malediven.

Der Scheidungsantrag lag bereits im Handschuhfach – doch das letzte Spiel seiner Schwiegermutter veränderte alles

Die Scheidungspapiere lagen bereits im Handschuhfach des Autos, als auf dem Küchentisch plötzlich das Blutdruckmessgerät zu summen begann.

Das Bild war beinahe erschreckend vertraut: das gerötete Gesicht seiner Schwiegermutter, der geöffnete Kragen ihres Morgenmantels und dieser typische, erstickende Baldriangeruch, der sich seit Jahren in die Vorhänge ihrer Kiewer Wohnung eingebrannt hatte. Wieder einmal eine Samstagabend-Szene, deren einziges Ziel darin bestand, Anton Schuldgefühle einzureden – als wäre er für jedes Problem der Welt verantwortlich.

— Über zweihundert… der untere Wert ist hundertzehn… — sagte Elena Petrowna schwer atmend, während sie langsam vom Stuhl rutschte. — Ich werde diesen Herbst nicht mehr erleben, meine Kinder. Ich spüre es. Ein Schlaganfall wartet auf mich. Antoschka, schreib die Adresse des Notars auf… sie liegt in der Schublade…

Anton betrachtete schweigend den Bildschirm des Geräts.

Seit zwei Jahren war dieses kleine japanische Blutdruckmessgerät in der Familie wichtiger als alles andere. Wichtiger als Gesetze, finanzielle Pläne oder sogar gemeinsame Familienmomente.

Wenn Anton erwähnte, dass er einen gebrauchten Geländewagen kaufen wollte, begann Elena Petrownas linker Arm plötzlich taub zu werden.

Wenn Alla, seine Frau, sich einmal weigerte, nach Tschernihiw zu fahren, um im Garten anderer Leute Kartoffeln auszugraben, konnte ihre Mutter innerhalb einer Nacht dreimal den Rettungsdienst rufen und die Wohnung in eine Notaufnahme verwandeln.

— Mama, hör auf! Begrabe dich nicht selbst, bevor es so weit ist! — Alla füllte nervös ein Glas mit Wasser, doch ihre Hand zitterte so stark, dass die Hälfte auf die Tischdecke verschüttet wurde. — Tosa, warum stehst du da wie eine Statue? Ruf eine Privatklinik! Sie sollen sie mitnehmen und ihr eine Infusion geben!

Doch Anton blieb ruhig.

— Eine Infusion wird nicht helfen, sagte er leise.

Seine Hand steckte noch immer in seiner Hosentasche, wo zwei Reisegutscheine für die Malediven lagen.

— Elena Petrowna braucht Ruhe. Vollständige Stressfreiheit. Deshalb fliegen wir beide weg. Deine Mutter bleibt hier unter der Aufsicht einer erfahrenen Pflegerin. Ich habe bereits alles organisiert.

Plötzlich veränderte sich die Atmosphäre in der Küche.

Als hätte sich der Druck in einem Flugzeug plötzlich verändert.

Elena Petrowna hörte auf zu jammern.

Ihr glasiger Blick richtete sich plötzlich scharf auf Anton.

— Ihr beide? fragte sie.

Ihre Stimme klang nicht mehr wie die eines sterbenden Menschen.

— Und was ist mit mir? Ihr lasst mich hier sterben, während ihr am Strand liegt?

Dann wandte sie sich an Alla:

— Hörst du, was dein Mann sagt? Er will mich ins Grab bringen!

Alla sah Anton schockiert an.

— Mama, warte… welche Malediven? Du hast doch gesagt, wir hätten eine Krise! Dass die Firma schließen könnte, dass wir kaum Geld für Rechnungen und Benzin haben! Woher kommt das Geld für eine Luxusreise?

Anton lächelte bitter.

Er hatte viel zu lange den geduldigen und verständnisvollen Ehemann gespielt.

Jetzt war es Zeit, die Wahrheit zu sagen.

— Die Firma wird tatsächlich geschlossen, Alla. Ich habe meinen Anteil an meinen Geschäftspartner verkauft, um die Schulden zu begleichen. Das ist das letzte Geld, das mir nach allen Abrechnungen geblieben ist.

Er machte eine Pause.

— Und ich wollte es benutzen, um unsere Ehe zu retten. Oder sie endgültig zu beenden.

— Wir fliegen in drei Tagen. Wir wohnen in einer Villa über dem Wasser, mit All-inclusive-Service.

Dann fügte er hinzu:

— Aber es gibt eine Bedingung.

— Welche? fragten beide Frauen gleichzeitig.

Angst lag in Allas Stimme.

Doch in Elena Petrownas Augen erschien wieder Berechnung.

— Deine Mutter bleibt hier. Unter der Betreuung eines Arztes, den ich bereits engagiert und bezahlt habe.

— Zwei Wochen lang gibt es keine Anrufe alle zwei Stunden. Kein Drama. Keine plötzlichen Beschwerden.

— Wenn Allas Telefon auch nur einmal klingelt und sie sagt: „Mama geht es schlecht“, drehen wir um. Und ich reiche die Scheidung ein. Direkt am Flughafen.

Elena Petrowna richtete sich sofort auf.

Die gesunde Farbe kehrte in ihr Gesicht zurück.

Die Schwäche verschwand.

Ihre Bewegungen wurden plötzlich schnell und kräftig.

Anton sah sie nur an.

Genau damit hatte er gerechnet.

— Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden? schrie sie und schlug auf den Tisch, sodass die Tassen wackelten. — Du willst eine fremde Pflegerin in mein Haus holen? Das ist eine Falle! Alla, wag es nicht, zuzustimmen! Er will uns trennen!

Die nächsten zwei Tage wurden zur Hölle.

Alla rief ihren Mann jede Stunde an.

Sie weinte.

Sie flehte.

Sie bat ihn, ihre Mutter mitzunehmen.

Elena Petrowna änderte ihre Taktik.

Statt Drohungen schickte sie alte medizinische Unterlagen und Artikel darüber, wie gut Meeresluft für hohen Blutdruck sei.

Am Montagabend kam Anton nach Hause, um seinen Koffer zu holen.

Die Wohnung war chaotisch.

Mitten im Zimmer stand ein riesiger pinkfarbener Koffer voller Sommerkleidung.

Daneben lief Elena Petrowna fröhlich herum und probierte einen großen Strohhut vor dem Spiegel.

Von der kranken Frau war nichts mehr zu sehen.

Ihre Augen glänzten.

Ihre Bewegungen waren voller Energie.

— Oh, mein lieber Schwiegersohn ist gekommen! sagte sie triumphierend. — Hast du über deine Drohungen nachgedacht? Alla und ich haben alles besprochen. Die Familie muss zusammenbleiben. Ich bezahle sogar den Kleinbus nach Chișinău. Auf den Malediven finden wir schon eine Lösung. Ein Klappbett reicht mir auch.

Anton sah langsam zu seiner Frau.

Alla saß auf dem Sofa und versteckte ihr Gesicht in den Händen.

Sie schämte sich.

Aber ihre Angst vor ihrer Mutter war stärker.

Sie hatte heimlich die Tickets geändert und den Platz ihrer Mutter mit ihren eigenen Ersparnissen bezahlt.

— Du hast ihr ein Ticket gekauft? fragte Anton ruhig.

Alla senkte den Blick.

— Tosa… Mama würde sich dort wirklich besser fühlen. Sie hat versprochen, uns nicht zu stören.

Anton nahm sein Handy.

Er rief jemanden an.

— Vitalij, guten Abend. Entschuldige den späten Anruf. Die Vereinbarung über den Verkauf meiner Geschäftsanteile bleibt bestehen. Überweise das Geld an meinen Partner.

Kurze Pause.

— Aber storniere die Reise. Fordere eine vollständige Rückerstattung, wenn möglich.

Totenstille erfüllte den Raum.

Der Strohhut rutschte langsam von Elena Petrownas Kopf.

— Was hast du gesagt? flüsterte Alla.

Anton antwortete ruhig:

— Dass niemand irgendwohin fährt.

— Das Geld geht für den Geschäftsabschluss und die Scheidungskosten drauf.

— Du hast dich hinter meinem Rücken für deine Mutter entschieden. Jetzt müsst ihr beide mit dieser Entscheidung leben.

Elena Petrowna griff wieder an ihre Brust.

— Oh… mir geht es wieder schlecht… Luft…

Anton hob die Hand.

— Genug, Elena Petrowna.

— Ihr Blutdruck von über zweihundert verschwand genau in dem Moment, als ein kostenloser Urlaub am Meer möglich wurde.

— In zwei Tagen haben Sie einen riesigen Koffer gepackt, sind durch die ganze Wohnung gelaufen und mussten sich kein einziges Mal ausruhen.

Dann wandte er sich an Alla:

— Ich lasse die Scheidungspapiere auf dem Küchentisch liegen. Die Wohnung gehört dir. Ich brauche sie nicht.

— Deine Mutter hat bekommen, was sie wollte: vollständige Kontrolle über dich.

— Von jetzt an wirst du dich um ihre „Beschwerden“ kümmern.

Anton nahm seinen Rucksack und verließ die Wohnung.

Im Treppenhaus atmete er nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder tief durch.

Er hatte kein Geschäft mehr.

Keinen Traum von den Malediven.

Aber er hatte etwas zurückgewonnen, das er lange verloren hatte:

seine Freiheit.

Was hätten Sie an Antons Stelle getan? Hätten Sie das Geld und die Traumreise geopfert, um für Ihre Prinzipien einzustehen? Oder hätten Sie Ihrer Ehe trotz des familiären Drucks noch eine letzte Chance gegeben?

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Scroll to Top