— Sieben Jahre lang habe ich euch in diesem Haus ertragen! In meinem Haus bestimme ich die Regeln! — fuhr Valentina Jegorowna auf.
Oksana legte langsam die Schöpfkelle ab. Der Duft des Sonntagsessens erfüllte die Küche, und die Gäste saßen bereits am großen Tisch. Die Schwiegermutter stand in festlicher Kleidung in der Küchentür, an ihrem Blusenkragen glänzte eine auffällige Emaille-Brosche in Form einer Libelle.
— Die Suppe wird kalt, Valentina Jegorowna, — sagte Oksana ruhig. — Soll ich sie servieren?
— Natürlich, serviere sie! Aber füll die Teller nicht wieder bis zum Rand wie immer! Das ist meine Festtagstischdecke!
Oksana drehte sich wieder zum Herd um.
In sieben Jahren hatte sie dieses Haus in- und auswendig kennengelernt. Sie wusste, wie warm die Suppe sein musste. Sie wusste, aus welchem Glas ihre Schwiegermutter am liebsten trank. Sie wusste, wie sie kochen musste, damit Valentina keinen Fehler finden konnte.
Nur eines hatte sie nie gelernt: Demütigungen still hinunterzuschlucken.
Am Tisch saßen Valentinas Schwester Nina mit ihrem Mann, die Nachbarin aus der unteren Wohnung und Oksanas Ehemann Tolik.
Tolik saß auf der Stuhlkante, trug ein neues Hemd und betrachtete das Etikett einer Mineralwasserflasche so ernst, als würde darauf das größte Geheimnis der Welt stehen.
— Tolja, hilfst du mir, das Brot zu schneiden? — rief Oksana aus der Küche.
— Lass ihn sitzen! Er hat die ganze Woche gearbeitet! — antwortete seine Mutter sofort. — Du bist jünger, du kannst das machen.
Tolik blickte dankbar wieder auf die Flasche.
Oksana lächelte bitter.
Sie rechnete mit. Sie hatte immer mitgerechnet.
Die Nebenkosten der Wohnung betrugen jeden Monat mehrere Tausend Rubel — und sieben Jahre lang hatte sie alles bezahlt. Sie kaufte die Lebensmittel. Sie bezahlte die Renovierung von Schlafzimmer und Wohnzimmer. Sie hatte 160.000 Rubel dafür angespart, indem sie zwei Jobs gleichzeitig machte.
Als die Wohnung fertig renoviert war, sagte Valentina nur:
— Wenigstens bist du für etwas gut.
Und jetzt behauptete dieselbe Frau vor allen, dass sie die Familie ernähre.
— Esst nur, esst! — sagte Valentina zu den Gästen. — Ich trage hier alles auf meinen Schultern. Meine Rente ist klein, aber meine Familie ist groß.
Oksana stellte die Suppenschüssel auf den Tisch und setzte sich ganz an den Rand.

Nina probierte die Suppe.
— Sehr lecker. Valja, du hast endlich gelernt zu kochen.
Valentina deutete sofort auf Oksana.
— Ich habe sie nicht gekocht. Sie war es. Wenigstens macht sie etwas. Aber seit sieben Jahren leben sie hier und bekommen alles fertig serviert, und ich habe nicht einmal ein einziges Dankeschön gehört!
Der Tisch wurde still.
— Alles fertig serviert… — wiederholte Oksana leise.
— Natürlich! — erhob Valentina ihre Stimme. — Seht sie euch an! Ich gebe ihnen ein Dach über dem Kopf! Mein Haus, meine Regeln!
Tolik blickte kurz auf.
— Mama… nicht beim Essen…
— Warum? Ist es etwa nicht wahr? — fuhr die Frau fort. — Oksana, merk dir: In meinem Haus entscheide ich! Es gefällt dir nicht? Du kannst gehen! Aber wohin willst du? Du hast weder ein Haus noch eine Wohnung!
Dann fügte sie hinzu:
— Bald wirst du sechsundvierzig, und du hast immer noch keine Kinder bekommen. Andere ziehen schon Enkel groß, und du arbeitest einfach nur!
Oksana legte langsam ihren Löffel ab.
— Kinder… — sagte sie leise.
Sie stand auf und ging in den Flur.
Die Gäste sahen sich gegenseitig an. Valentina lehnte sich zufrieden zurück. Sie glaubte, gewonnen zu haben.
Eine Minute später kam Oksana zurück.
In ihrer Hand hielt sie eine dünne Mappe.
Sie legte sie auf den Tisch.
— Was ist das? — fragte Valentina unsicher.
— Die Kreditgenehmigung.
Sie öffnete die Mappe.
— Eine Zweizimmerwohnung in einem Neubau. Die erste Rate ist bereits bezahlt. In einem Monat ziehen wir um.
Stille.
— Ab dem Ersten des nächsten Monats bezahlen Sie die Nebenkosten Ihrer eigenen Wohnung selbst, Valentina Jegorowna, — sagte Oksana ruhig. — Ihre Wohnung, Ihre Rechnungen.
Valentina wurde blass.
— Aber… achttausend Rubel im Monat?!
— Genauer gesagt achttausendzweihundert im letzten Monat. Wegen der Heizung ist es teurer geworden.
Oksana holte die Rechnungen heraus.
— Hier sind alle Zahlungen der letzten sieben Jahre. Schauen Sie auf die Namen. Auf jeder steht derselbe Name.
Ihre Schwiegermutter griff mit zitternder Hand nach den Papieren.
Aber sie nahm nicht die Rechnungen.
Sie hielt sich an der Stuhllehne fest.
— Hast du das absichtlich vor ihnen gemacht? — fragte sie schließlich.
Oksana sah sie an.
— Nein. Sie haben vor ihnen angefangen. Ich habe nur beendet.
Die Gäste standen langsam auf.
An diesem Tag verteidigte zum ersten Mal niemand Valentina.
Tolik saß nur da und hielt die Mineralwasserflasche fest.
— Du wusstest es? — fragte Oksana ihn.
Der Mann senkte den Blick.
— Oksan… Mama ist meine Mutter. Ich dachte, es würde sich von selbst lösen.
— Es hat sich gelöst, — antwortete Oksana. — In einem Monat.
In den nächsten Wochen veränderte sich Valentina völlig.
Zuerst versuchte sie zu bitten.
— Oksanotschka, meine Tochter, wie soll ich allein bleiben? Wer bringt mir Wasser?
— Bitten Sie um soziale Unterstützung, — antwortete Oksana. — Oder Tolik besucht Sie. Er ist Ihr Sohn.
Dann kam die Wut.
— Ihr lasst auch die Renovierung hier?! Wer hat die Tapete angebracht?!
— Ich, — sagte Oksana. — Aber lassen Sie sie ruhig. Es ist ein Geschenk.
Die Schwiegermutter schlug die Tür zu.
Eine Woche später hörte Oksana, wie Valentina am Telefon zu ihrer Freundin sagte:
— Ich habe sie doch versorgt! Ich habe alles bezahlt! Ich habe die Wohnung renoviert!
Oksana ging in die Küche.
Sie nahm ihre eigene Tasse vom Fensterbrett.
— Eine Rolle finnische Tapete hat 280 Rubel gekostet. Ich habe sie im Laden gegenüber gekauft. Ich habe sie selbst geklebt. Den Kassenbon habe ich noch.
Und sie ging hinaus.
Am ersten Tag, wie sie versprochen hatte, zogen sie aus.
In der neuen Wohnung holte Oksana ihren Werkzeugkasten heraus. Sie befestigte einen Haken an der Wand.
Genau in der Höhe, die für sie bequem war.
Nicht für jemand anderen.
Nicht für ihre Schwiegermutter.
Sondern für sich selbst.
Und als sie die erste Schraube in die Wand drehte, lächelte sie und wusste:
Endlich lebte sie an einem Ort, an dem sie kein Gast mehr war.
Sondern zu Hause.


