— Perfekt.Der Abend begann wie eine Hochglanzseite aus einem Magazin über das Leben der städtischen Elite. Kristallgläser funkelten im warmen Licht eines Designer-Kronleuchters, gefüllt mit tiefem, samtigem Bordeaux.
Der Duft von gebratener Ente mit Äpfeln mischte sich mit den teuren Parfums der Gäste. Alles wirkte kontrolliert, elegant, makellos.
Doch unter dieser glänzenden Oberfläche hatte sich längst etwas Schweres und Erstickendes angestaut — ein Konflikt, der kurz vor dem Ausbruch stand.
Artyom saß am Kopfende des Tisches, lässig zurückgelehnt mit der Selbstsicherheit eines Mannes, der glaubt, dass ihm alles gehört. Sein leicht aufgedunsenes Gesicht glänzte im gedämpften Licht, während er sein Weinglas langsam drehte.
— Stellt euch den Kulturschock vor, — sagte er laut, übertönte das Klirren des Bestecks. — Beim ersten Mal habe ich Nastya in ein richtiges Restaurant gebracht, und sie hat die Speisekarte angesehen, als wäre es eine alte Sprache.

Sie wusste nicht einmal, was sie bestellen soll!Oleg und seine Frau Marina lächelten höflich, aber angespannt. Es war nicht wirklich lustig, aber niemand wagte zu widersprechen.
Nastya saß am anderen Ende des Tisches. Gerade Haltung, fast steif. Sie trug ein elegantes dunkelblaues Kleid — von Artyom ausgesucht — doch ihr Blick war leer und weit entfernt. Sie schnitt leise ihr Essen, das Messer kratzte kaum hörbar über den Teller.
— Komm schon, Töm, — versuchte Oleg vorsichtig einzugreifen. — Warum das alles wieder aufwärmen? Ihr seid doch schon lange zusammen.
— Weil sie vergisst, woher sie kommt, — antwortete Artyom leichtfertig. — Und ich erinnere sie nur daran.Der Ton war spielerisch. Die Bedeutung nicht.
Nastya legte langsam ihr Besteck ab. Etwas in ihr veränderte sich. Der gewohnte Schmerz wurde zu einer kalten, klaren Ruhe.
— Es reicht, — sagte sie leise.
— Oh, sind wir beleidigt? — lachte Artyom. — Vergiss nicht: Ohne mich wärst du noch in deinem Dorf.Stille legte sich über den Tisch.
— Macht es dir Spaß, mich zu demütigen? — fragte Nastya.— Ich bilde dich nur aus, — grinste er.
Sie stand auf.Ohne ein weiteres Wort nahm sie die große Servierplatte mit der halb gegessenen Ente, bedeckt mit dunkler, schwerer Sauce. Sie ging auf ihn zu.
— Willst du noch mehr Sauce? — fragte sie ruhig.— Natürlich, — lachte er.In einer einzigen fließenden Bewegung kippte sie die Platte um.
Die schwere, fettige Sauce ergoss sich über seine teure Hose. Fleischstücke glitten herab, Flecken breiteten sich sofort aus.
Stille.— Guten Appetit, — sagte sie eiskalt.Die Gäste verließen fluchtartig den Raum. Die Tür fiel ins Schloss.Artyom blieb erstarrt zurück, starrte auf seine zerstörte Kleidung und hob langsam den Blick.
— Weißt du, was du getan hast? — fragte er leise.— Ja, — antwortete sie. — Ich habe endlich etwas getan.— Das ist meine Wohnung. Mein Geld, — zischte er. — Du bist nichts.
Nastya hob ihr Weinglas und trank ruhig einen Schluck.— Nicht mehr.— Wohin willst du gehen? — lachte er nervös. — Du hast nichts!— Doch, — sagte sie ruhig. — Du hast nur nie hingesehen.Das war der erste Riss.
— Ich habe die Scheidung eingereicht, — fügte sie hinzu. — Und ich gehe.Das Wort hing schwer in der Luft.— Lächerlich, — sagte er, doch seine Stimme zitterte.
Er stürmte ins Schlafzimmer und riss die Koffer auf. Er begann, Kleidung herauszuwerfen, eine nach der anderen, als würde er Beweise suchen.
— Das gehört mir… das auch… das nimmst du nicht…Er sortierte obsessiv, besessen.Nastya beobachtete ihn schweigend.— Weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist? — sagte sie schließlich.
— Ich kann mir aus dem Nichts ein Leben aufbauen. Du hast nie etwas aufgebaut.— Lüge! — schrie er.— Nein. Nur die Wahrheit, die du nie hören wolltest.Er erstarrte.
Sie schloss den Koffer.— Leb wohl.Doch er war noch nicht fertig.— Der Mantel bleibt. Und die Schuhe auchOhne ein Wort zog sie beides aus und ließ es fallen. Dann zog sie alte Turnschuhe an.
Und ging nicht sofort.Sie kehrte ins Wohnzimmer zurück.Sie nahm die teure Weinflasche.— Wag es nicht! — schrie Artyom.Zu spät.Der rote Wein ergoss sich über das helle Ledersofa, sog sich in das Material wie eine dauerhafte Narbe. Er lief in den Teppich.
Artyom sank auf die Knie.Nastya schüttete eine Schüssel Salat auf seinen Lieblingssessel.— Das ist die Realität, — sagte sie leise.Er sah sich um, zitternd.— Du hast alles zerstört…— Nein, — antwortete sie. — Ich habe nur gezeigt, was es wirklich war.
Sie ging zur Tür. Das Rollen ihres Koffers hallte leise im Flur.— Du bist ein Monster, — flüsterte er.Sie hielt kurz inne.
— Nein. Ich bin endlich frei.
Die Tür fiel ins Schloss.Stille erfüllte die Wohnung.Artyom stand inmitten der Ruinen — Wein, Fett, verstreute Dinge — und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er niemanden mehr, den er beschuldigen konnte.Nur sich selbst.


