„Ich bin zu meinem Sohn gekommen, und du verschwinde!“ schrie die Schwiegermutter. Doch sie verstummte, als der Mann die blaue Mappe mit den Dokumenten hervorholte.

Im Flur, прямо auf dem hellen, weichen Teppich, standen ordentlich nebeneinander drei Paar fremde Herbststiefel. Von ihren Sohlen tropfte langsam grauer Matsch herunter und hinterließ dunkle Flecken im teuren, beigen Flor.

Jana blieb wie erstarrt in der Tür stehen, den Schlüsselbund noch immer fest in der Hand. Einen Moment lang rührte sie sich nicht.

Aus dem geräumigen Wohnzimmer drang das feine Klirren von Porzellantassen, gedämpftes Lachen und ein schwerer Geruch nach geräucherter Wurst, vermischt mit einem süßlich-scharfen Parfüm.

— Ach, nehmt euch doch noch Marshmallows, meine Damen, nur keine Scheu! — erklang eine laute, vertraute Stimme. — Mein Oleg ist ein richtiger Held! Kaum war er in diese Stadt gezogen, sagte er:

„Mama, ich kümmere mich um alles!“ Er hat die Möbel ausgesucht, den Parkettboden verlegen lassen… Und diese Jana? Nun ja, sie lebt hier wie eine Königin, ohne etwas zu tun. Was will man da erwarten?

Janas Finger krampften sich um den Griff ihrer Ledertasche. Langsam zog sie ihren Mantel aus, darauf bedacht, keinen Lärm zu machen, und machte einen Schritt in Richtung Wohnzimmer.

Dabei hatte sie Oleg erst am Mittwoch noch angefleht, diesen Besuch zu verhindern.An jenem Abend saßen sie in der Küche. Oleg schob seinen Teller zu hastig beiseite und räusperte sich verlegen.

— Jana… es gibt da etwas. Mama hat angerufen. Sie kommt am Freitagmorgen und bleibt übers Wochenende.Jana legte die Gabel hin. Ihr Appetit war sofort verschwunden.

— Sag mir, dass du abgesagt hast. Morgen habe ich eine wichtige Abgabe, und am Samstag zwei entscheidende Kundengespräche. Ich kann sie unmöglich unterhalten.

— Was hätte ich denn tun sollen? — murmelte er und rieb sich nervös das Kinn. — Sie hat das Ticket schon gekauft. Es ist nicht erstattungsfähig.

— Dann ruf sie jetzt an. Und stell auf Lautsprecher.Er zögerte kurz, dann wählte er. Sie ging sofort ran.— Hallo, mein Sohn! Hast du mich schon vermisst? — klang ihre fröhliche Stimme durch den Raum.

— Mama, hör zu… dieses Wochenende passt es uns nicht. Ich habe viel Arbeit, und Jana auch…— Wie bitte, es passt nicht? — fiel sie ihm scharf ins Wort. — Ich komme zu meinem eigenen Sohn, und der will arbeiten gehen? Nimm dir frei!

— Das geht nicht…— Dann kümmert sich eben deine Frau um mich!Jana beugte sich näher zum Telefon.— Guten Abend, Raisa Pawlowna. Wir werden dieses Wochenende nicht zu Hause sein.

Einen Moment lang herrschte Stille.— Ach, Janotschka… bist du jetzt auch so beschäftigt geworden? — sagte sie spöttisch. — Macht nichts. Lasst mir die Schlüssel da, ich komme schon zurecht. Ich kann sogar ein bisschen sauber machen.

— Das kommt für uns nicht infrage, — antwortete Jana ruhig.Die Verbindung wurde beendet.Am Freitagmorgen brachte Oleg seine Mutter vom Bahnhof und fuhr sofort weiter zur Arbeit.

Jana wurde vom lauten Zuschlagen der Küchenschränke geweckt. Als sie hinausging, sah sie Raisa Pawlowna, die gefrorenen Fisch und billige Margarine aus ihren Taschen in den Kühlschrank räumte.

— Ich mache ein ordentliches Frühstück, — erklärte sie. — Nicht dieses Grünzeug, das ihr esst.— Bitte fassen Sie meine Lebensmittel nicht an, — sagte Jana und nahm ihr die Margarine aus der Hand.

Die Frau verzog nur die Lippen und drehte sich weg.Und jetzt… war es Abend. Jana stand in ihrem eigenen Wohnzimmer — unter Fremden.

Drei ältere Frauen saßen an ihrem antiken Eichentisch. Vor ihnen stand ihr feines Porzellanservice, ein Geschenk ihres Großvaters zur Hochzeit. Auf der Tischdecke lagen fettige Wurststücke, überall Krümel.

— Was für schöne Vorhänge! — rief eine der Frauen.— Natürlich! — sagte Raisa stolz. — Oleg hat die Hälfte seines Gehalts dafür ausgegeben!Jana atmete tief durch und trat ins Licht.

— Guten Abend. Darf ich fragen, was hier vor sich geht?Das Gespräch verstummte sofort. Drei Augenpaare richteten sich auf sie.— Ach, Jana.

Schon zurück? — sagte Raisa mit einem herablassenden Lächeln. — Ich habe nur meine Freundinnen zum Tee eingeladen. Ich zeige ihnen die Wohnung.

— Das sehe ich, — erwiderte Jana ruhig.Ihr Blick fiel in die Ecke. Ihre Arbeitsunterlagen lagen achtlos auf dem Boden.— Warum haben Sie meine Dokumente angefasst?

— Sie haben das Gesamtbild gestört! — winkte Raisa ab. — Überall deine Papiere. Wir haben hier schließlich anständige Leute zu Besuch.
Die Gäste wechselten unsichere Blicke.

— Raisa, wir gehen lieber… — murmelte eine von ihnen.Innerhalb weniger Sekunden waren sie verschwunden.Stille.— Also gut, — sagte Jana ruhig, aber bestimmt. — Sie packen jetzt Ihre Sachen und gehen. Sofort.

— Was?! — empörte sich Raisa. — Wie kannst du es wagen! Ich bin zu meinem Sohn gekommen — du solltest verschwinden!
In diesem Moment öffnete sich die Tür. Oleg kam herein.

Er blieb stehen und sah sich um. Die Flecken. Das Chaos. Die Unterlagen auf dem Boden.— Was ist hier passiert? — fragte er leise.— Deine Mutter hat hier eine Vorstellung veranstaltet, — antwortete Jana ruhig.

— Und meine Arbeit auf den Boden geworfen.— Sie lügt! — rief Raisa sofort. — Sie hat mich rausgeworfen!Oleg schwieg einen Moment. Dann ging er zum Regal, öffnete eine Schublade und holte eine dicke blaue Mappe heraus. Er legte sie auf den Tisch.

— Mach sie auf, Mama.Zögernd öffnete sie die Mappe. Auf der ersten Seite stand: „Kaufvertrag für eine Immobilie“. Ihr Finger glitt über die Zeilen und blieb beim Namen des Käufers stehen.

Jana Viktorowna.Das Datum lag zwei Jahre vor ihrer Bekanntschaft mit Oleg.Raisas Gesicht wurde blass.— Das… das muss ein Fehler sein…

— Ich habe dir nie gesagt, dass ich die Wohnung gekauft habe, — sagte Oleg ruhig. — Das hast du dir selbst ausgedacht.Stille.— Pack deine Sachen, — fügte er hinzu.

Eine halbe Stunde später war die Wohnung leer.Jana öffnete die Fenster. Frische Luft strömte hinein und vertrieb langsam den schweren Geruch.Als Oleg zurückkam, stellte er ihr ein Glas Wasser hin.

— Es tut mir leid, — sagte er leise.Jana legte ihre Hand auf seine.Von diesem Tag an betrat Raisa Pawlowna nie wieder ihre Wohnung. Sie erzählte zwar Bekannten, ihr Sohn stehe „unter dem Pantoffel seiner Frau“, doch Jana und Oleg kümmerte das nicht.

Zum ersten Mal war ihr Zuhause wirklich ruhig — und ganz ihr eigenes.

Visited 7 times, 1 visit(s) today
Scroll to Top