Die Schwiegermutter verlangte Geld für die „Abendessen“, die aus ihren Lebensmitteln zubereitet wurden — am Morgen standen die Sachen ihres Sohnes bereits vor der Tür.

Der Schlüssel drehte sich mit einem unangenehmen metallischen Kratzen im Schloss, und Vera hatte ihren Mantel noch nicht einmal ausgezogen, als sie bereits von dem schweren Geruch nach überhitztem Sonnenblumenöl und verbranntem Bratgut getroffen wurde.

Auf den hellen Fliesen im Flur standen fremde, schmutzige Schuhe in einer Reihe, als gehöre die Wohnung nicht mehr ihr.Nina Fjodorowna war wieder da.

Die Besuche nach dem Motto „ich helfe euch nur kurz“ waren längst zur Gewohnheit geworden und hatten sich langsam zu einer vollständigen Vereinnahmung entwickelt:

aus Wochenenden wurden ganze Wochenenden, aus Wochenenden ein dauerhafter Zustand.
— Olechka, iss noch etwas, ich habe frische Frikadellen gemacht! — hallte die vertraute, viel zu lebhafte Stimme aus der Küche.

Vera beugte sich hinunter und zog ihre Schuhe aus.

Nach einer zehnstündigen Zahnarztschicht war ihr ganzer Körper erschöpft; sie sehnte sich nur nach einer heißen Dusche und Ruhe, doch stattdessen empfingen sie fremde Geräusche, fremde Gerüche und fremdes Chaos.

Sie ging in Richtung Küche.

Nina Fjodorowna stand am Herd, als wäre dies schon immer ihr Reich gewesen, und trug über einer ordentlich gebügelten Bluse eine alte Schürze, die sie offenbar „zur Sicherheit“ mitgebracht hatte. Oleg saß am Tisch und aß, als hätte er seit Jahren gehungert.

Das war kein Besuch mehr. Das war Gewohnheit geworden.— Oh, Vera, du bist da! — sagte die Schwiegermutter und drehte sich um, während sie sich die Hände abwischte.

— Wasch dir die Hände und setz dich, ich habe für euch gekocht, damit ihr euch am Wochenende nicht kümmern müsst.— Danke, aber wir wollten morgen eigentlich ins Restaurant gehen, — sagte Vera leise.

Die Frau schnaubte.— Restaurant? Geldverschwendung! Hausgemachtes ist das Beste. Stimmt doch, mein Sohn?
Oleg nickte, ohne sie anzusehen.

Vera spannte sich an. Es war immer dasselbe Muster: die Mutter sprach, der Mann nickte, und sie war immer diejenige, die zu viel war.

Sie ging zum Waschbecken, um Wasser zu trinken, blieb jedoch stehen, als sie im Mülleimer eine leere Flasche sah: kaltgepresstes Kürbiskernöl – ihr teures, medizinisches Diätöl.

— Nina Fjodorowna… haben Sie damit gebraten? — fragte sie.— Ja, natürlich, — zuckte die Frau mit den Schultern. — Das andere war leer. Das hier stand halt herum.

— Das darf man nicht erhitzen, — sagte Vera langsam. — Das ist kein normales Öl. Ich brauche das aus gesundheitlichen Gründen.— Vera, übertreib nicht. Deine Mutter hat gekocht, fertig, — sagte Oleg, ohne aufzusehen.

— Das ist keine Übertreibung, das ist Gesundheit, — antwortete sie leise.— Undankbar bist du, — fauchte die Schwiegermutter.Die Luft wurde schwer. Und zum ersten Mal spürte Vera klar: Hier war sie keine Partnerin, sondern ein Hindernis.

Die nächsten Tage verliefen in angespannter Stille. Oleg vermied ihren Blick, Nina Fjodorowna kam noch häufiger, als würde sie testen, wie weit sie gehen konnte. Dann kam der Freitag.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte Vera, dass es ein besonderer Abend werden sollte. Sie hatte ein aufwendiges Abendessen geplant: Pute, Spargel, eine leichte Soße, Ruhe.

Sie verbrachte Stunden auf dem Markt, wählte sorgfältig aus, zahlte viel, aber war zufrieden. Am Abend kam sie spät nach Hause, und schon im Flur schlug ihr der Geruch von gebratener Mayonnaise entgegen. Der Schlüssel drehte sich langsamer im Schloss.

In der Küche stand Nina Fjodorowna triumphierend vor einem großen Backblech.— Überraschung! Ich habe den Spargel kleingeschnitten, Kartoffeln dazugegeben und Käse drauf – so ist es viel sättigender! — sagte sie.

Die teuren Zutaten waren zu einer unkenntlichen Masse geworden. Oleg aß bereits, zufrieden.Vera erstarrte. Etwas in ihr zerbrach leise.— Ich habe gesagt, dass ihr meine Lebensmittel nicht anfassen sollt, — sagte sie sehr leise.

— Ach komm, das ist doch nur Essen, — winkte die Schwiegermutter ab. — Hauptsache, man wird satt.Und dann kam der nächste Satz:— Übrigens… ich dachte, du könntest auch dafür bezahlen. Fünfundzwanzigtausend im Monat. Fürs Kochen.

Stille. Oleg sprach schließlich:— Meine Mutter arbeitet viel dafür. Du solltest so nicht mit ihr reden.Vera verstand in diesem Moment: Das war kein Missverständnis, sondern ein System.

— Also soll ich dafür zahlen, dass meine eigenen Speisen in meiner eigenen Wohnung ruiniert werden? — fragte sie ruhig.Oleg stand auf.— Mach kein Theater.Seine Hand legte sich auf ihre Schulter, fester als nötig.

— Iss. Und benimm dich.Das war die Grenze.Vera trat langsam zurück.— Morgen seid ihr nicht mehr hier, — sagte sie.Die Worte waren nicht laut, aber endgültig.

In dieser Nacht rief sie ihren Bruder an.— Komm morgen.— Ich bin da.Am nächsten Morgen kamen fremde Männer in die Wohnung. Sie schrien nicht, stritten nicht, sie packten schnell, präzise, schweigend.

Oleg wechselte zwischen Lachen, Wut und Bitten, bis er schließlich nur noch zusah, wie sein Leben in schwarze Säcke verschwand.— Das ist auch meine Wohnung! — rief er.

— Nein, — sagte Vera ruhig. — Das ist meine Wohnung.Als die Tür sich schloss, war plötzlich Raum da. Echter Raum.

Monate später stand Vera in ihrer eigenen Küche, umgeben von Gemüsegeruch und Stille. Ihr Telefon vibrierte: Olegs Nachricht. „Es tut mir leid. Alles hätte anders sein müssen. Lass uns treffen.“

Sie las es, sah lange darauf, dann löschte sie es.Es war keine Wut mehr da, nur ein Abschluss.Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit musste sie in ihrem eigenen Zuhause niemandem mehr gerecht werden.

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