Der Ehemann ließ heimlich seine Mutter in die Wohnung seiner Frau einziehen und nannte sie die Eigentümerin. Doch der Bezirksbeamte erklärte der dreisten Rentnerin schnell die Meldevorschriften.

Der Schlüssel klemmte bei einer halben Drehung. Valerija stieß genervt die Luft aus und riss stärker am Türgriff. Die teure Eingangstür, die sie drei Wochen lang ausgesucht hatte, gab schließlich mit einem unwilligen Knarren nach. Statt des vertrauten,

feinen Sandelholzdufts schlug ihr sofort der Geruch von Reinigungsmitteln und etwas Schwerem, Fettigem entgegen.Valerija trat ein und trat sofort auf etwas Weiches.Sie erstarrte.Sie schaltete das Licht ein.Auf dem hellen Steinboden lag ein zerdrückter Teppich,

daneben standen drei riesige, karierte Reisetaschen, dick mit Klebeband umwickelt. Ein alter, abgenutzter Lederkoffer stand ebenfalls dort, als hätte er schon längst eingezogen. Aus der Küche drang der fröhliche Klang einer Fernsehsendung: bratende Pfannen, ein lachender Moderator, ein Gefühl von Zuhause – fremd hier.

Sztasz hätte eigentlich bis acht Uhr arbeiten sollen.Valerija sah langsam durch die Wohnung und ging dann in den Flur.Auf dem Esstisch – dieser teuren, sorgfältig ausgewählten furnierten Oberfläche – stapelten sich Kisten, Bettwäsche und Haushaltsgegenstände.

Als hätte jemand ein anderes Leben über ihres gekippt.Eine Frau stand am Spülbecken.Rima Konstantinowna.In einem bordeauxfarbenen Bademantel, mit einem Handtuch gebunden, eine Metallschwamm in der Hand, mit dem sie energisch das Kochfeld schrubbte, als hätte sie schon immer hier gewohnt.

„Rima Konstantinowna?“ Valerijas Stimme war leise. Zu leise.Die Schwiegermutter zuckte zusammen, lächelte dann, als wäre nichts geschehen.„Ach, endlich! Ich putze schon seit Mittag. Sztasz sagte, du arbeitest sowieso ständig, du hast keine Zeit für den Haushalt.

Ich dachte, ich überrasche dich mit einem Abendessen.“Valerija blickte sich langsam um.Die Gewürze waren umsortiert. Die Pflanzen standen in Plastikflaschen auf der Fensterbank. Die Ordnung, die sie über Jahre aufgebaut hatte, war von fremden Händen neu geschrieben worden.

„Wem gehören all die Taschen im Flur?“ fragte sie. „Und… wie sind Sie überhaupt hier reingekommen?“Die Schwiegermutter lächelte, als hätte ein Kind eine dumme Frage gestellt.„Mein Sohn hat mir einen Schlüssel gegeben. Die Taschen gehören mir.

Mein jüngerer Sohn Igor gründet eine Familie, sie erwarten ein Kind. Ich habe ihnen meine Wohnung gegeben. Ich habe hier Platz.“Valerija sagte einen Moment lang nichts.Sie sah nur.Die Wohnung, die sie sich mit vier Jahren Arbeit verdient hatte.

Nächte, Überstunden, abgesagte Arzttermine, verzichtete Kleidung, verschobenes Leben.Währenddessen hatte Sztasz „sich selbst gesucht“.„Das ist das Arbeitszimmer“, sagte Valerija schließlich. „Kein Lagerraum.“„Ach komm, Lerochka“, winkte die Schwiegermutter ab. „Ihr seid doch eine Familie. Es gibt genug Platz.“

In diesem Moment verschob sich etwas in Valerijas Kopf.Vor drei Tagen hatte es eine Einweihungsparty gegeben. Sztasz hatte mit einem Glas in der Hand große Worte gesprochen: wie viel sie gearbeitet, wie viel sie gekämpft hatten.Dann hatte er seine Mutter umarmt und gesagt:

„In diesem Haus ist Mama die Chefin. Ihr Wort ist Gesetz.“Valerija hatte damals nur höflich geschwiegen.Jetzt verstand sie: Das war kein Spruch gewesen. Das war ein Plan.„Packen Sie zusammen und gehen Sie“, sagte sie leise.Die Luft gefror.

„Wie bitte?“ Die Schwiegermutter drehte sich langsam um.„Was Sie gehört haben. Gehen Sie. Jetzt.“Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht.„Das ist auch Sztasz’ Wohnung!“„Nein.“ Valerija zog ihr Handy heraus. „Das ist meine Wohnung.“

Und wählte.„Sie rufen die Polizei?“ Die Stimme der Schwiegermutter wurde scharf.„Eine unberechtigt eingedrungene Person.“In der Küche wurde es plötzlich still.Der Wasserhahn wurde zugedreht.Nur Stille blieb.Mit zitternden Händen rief die Schwiegermutter ihren Sohn an.

Valerija setzte sich auf das Sofa. Ihre Hände zitterten leicht, aber ihr Kopf war klar.Nach einer Weile klingelte es.Ein Polizist stand an der Tür.„Hauptmann Morozov.“Die Schwiegermutter stürzte sofort auf ihn zu:„Das ist Wahnsinn! Sie wirft mich aus der Wohnung meines Sohnes!“

Der Polizist blieb ruhig. Dokumente. Fragen.„Wer ist der Eigentümer?“„Ich“, sagte Valerija.Ein Moment.Dann die Entscheidung:„Frau, Sie haben hier kein Aufenthaltsrecht. Sie müssen die Wohnung verlassen.“Die Koffer setzten sich in Bewegung.

Die Wohnung leerte sich langsam.Das Schloss klickte wieder zu.Stille.Valerija atmete aus.Nicht einmal eine Stunde war vergangen.Dann stürmte Sztasz herein.„Du hast wirklich die Polizei wegen meiner Mutter gerufen?!“„Warum hast du ihr einen Schlüssel gegeben?“

„Das ist auch meine Familie!“Valerija sah ihn lange an. Müde. Klar. Endgültig.„Soll ich dir beim Packen helfen?“Der Satz war einfach. Unwiderruflich.Sztasz schwieg.Dann begann er zu packen.Drei Wochen später wurde die Scheidung ausgesprochen.

Es gab nichts zu teilen.„Wegen einer Wohnung hast du die Familie zerstört“, sagte er.Valerija lachte leise.„Nicht wegen der Wohnung.“Dann trat sie hinaus auf die Straße.Die Luft war klar.Und zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie kein Gewicht mehr.Sie rief ein Taxi.

Ging nach Hause.In ihre eigene Wohnung.Dorthin, wo endlich niemand mehr Erlaubnis brauchte, um ihr Leben zu leben.

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