— Bist du während deines Mutterschaftsurlaubs verrückt geworden? Wem sage ich das, nimm diese Pfanne vom Herd!Ilja nickte widerwillig in Richtung des Topfes, in dem Gemüse für den acht Monate alten Matwej köchelte. Er stand mitten in der Küche, den Gürtel in der Hand,
und betrachtete seine Frau eher als lästiges Hindernis denn als Partnerin.— Bis sechs Uhr muss alles glänzen. Und bereite ein richtiges Abendessen vor! Brate das Fleisch im Ofen, schneide ein paar Salate. Ludmila Markowna kommt; sie mag keine Diät-Zucchini.
Natalja erstarrte, hielt ein Handtuch in den Händen. Iljas starker, männlicher Duft erfüllte die Küche, und Matwejs ruhige Bewegungen in seinem Laufstall ließen sie fast fürchten, dass er wieder zu weinen beginnen könnte.
— Ilja, der Kleine ist krank — flüsterte Natalja und versuchte, ihre Stimme ruhig zu halten. — Ich war die ganze Nacht auf den Beinen, seit drei Uhr. Ich kann einfach kein Bankett kochen und gleichzeitig den Boden schrubben. Bestell lieber etwas vom Restaurant.
Der Mann machte plötzlich einen Schritt nach vorne, sein Gesicht wurde vor Wut dunkelrot. Er riss ihr das Handtuch aus der Hand, schlug es auf den Tisch und hob die Hand. Natalja zog instinktiv den Kopf zwischen die Schultern und schloss die Augen.
Aber Ilja hörte nicht auf; er packte sie grob an den Schultern und zerknüllte ihr T-Shirt.— Es ist mir egal, dass du es nicht schaffst — zischte er. — Ich bringe das Geld in dieses Haus, ich halte euch alle. Also arbeite! Und dein Gesicht… mach es einfacher. Das sind meine Quadratmeter.

Wenn es dir nicht gefällt — pack deine Sachen und geh zu deinem Vater!Die Haustür schlug so laut zu, dass Matwej hochschreckte. Das Schloss klickte in der Stille.Natalja setzte sich langsam, die Schultern taub. Innerlich war alles ausgebrannt. Keine Tränen, kein Zittern. Nur ein kaltes, entschlossenes Bewusstsein:
das ist vorbei.”Ich halte euch, also… das sind meine Quadratmeter…”Diese Wohnung gehörte Iljas Großmutter. Als sie heirateten, war alles hier kalt und heruntergekommen: fleckige Decken, alte Böden, ständiger Staub- und Medizin-Geruch. „Die Wohnung gehört mir, also lebe und sei dankbar“,
hatte Ilja ihr vor der Geburt des Kindes zugerufen.Sein Gehalt reichte für Rechnungen, Benzin, Lebensmittel. Doch jeder Komfort wurde von jemand anderem geschaffen: ihrem Vater, Grigorij Iwanowitsch. Natalja blickte sich um: Einbaugeräte, Massivholzmöbel, riesiges Sofa, modernes Bad.
Alles bezahlt von ihrem Vater, Überweisungen gewährleisteten das Wohl ihres Enkels.Ilja genoss es, auf dem Sofa zu entspannen, und schimpfte über jeden Staubkorn, das Natalja nicht entfernte. Er glaubte wirklich, dass allen Komfort er verdient hätte. Doch an diesem Morgen hatte er jede Grenze überschritten.
Natalja wusste: Wenn sie jetzt schweigt, wird es morgen noch schlimmer.Sie griff nach ihrem Telefon:— Papa, hallo.— Hallo, Natasa. Wie geht es deinem Enkel?— Er schläft. Papa… ich brauche deine Crew von der Arbeit. Und ein paar LKWs.
— Bringen wir etwas zum Sommerhaus?— Nein. Wir stellen Iljas Wohnung in den Originalzustand zurück. Ich nehme alles zurück, was mir gehört, und reiche die Scheidung ein.Stille am anderen Ende. Grigorij Iwanowitsch griff nie ein, wenn er Entschlossenheit in der Stimme seiner Tochter hörte.
— In Ordnung. In einer Stunde sind sie da.Die Arbeiter demontierten schnell und methodisch alles: zuerst Nataljas persönliche Sachen, Geschirr, Spielzeug, dann Möbel und Schränke. Wände, Böden, Innentüren – alles verschwand in der Vergangenheit.

In der Küche schraubte Natalja selbst die Lampen aus den Kronleuchtern, nur ein schwaches Licht blieb.Um fünf Uhr nachmittags blieb in der Wohnung nur noch der Geruch von Baustaub und Feuchtigkeit. Das war Iljas Realität.Das Telefon klingelte: Ilja.
— Also, ist das Abendessen fertig?— Ja. Es gibt eine kleine Überraschung.Natalja legte schweigend auf, übergab das Kind ihrem Vater und legte die Schlüssel auf das staubige Fensterbrett. Sie gingen eine Etage höher, um auf das Finale zu warten.
Ilja und Ludmila Markowna kamen genau pünktlich. Die Tür öffnete sich. Nichts war an seinem Platz: das Sofa, die Möbel, die Vorhänge – alles verschwunden, nur nackte Betonwände. Ilja stolperte, seine Schwiegermutter prallte gegen eine Wand.
— Sie wurden ausgeraubt! — schrie Ludmila Markowna. — Ruf die Polizei!Ilja stand mitten in der leeren Küche, ein Blatt Papier in der Hand:”Ich habe nur meine eigenen Sachen genommen. Deine wertvollen Quadratmeter bleiben. Scheidung eingereicht. Schlüssel in der Nähe. Guten Abend.”
Sechs Monate später saß Natalja in einem gemütlichen Café, Matwej inzwischen ein kleiner Junge an ihrer Seite. Benachrichtigung über Unterhalt: vernachlässigbar. Nachricht eines ehemaligen Nachbarn: Ilja hatte die Wohnung vermietet; fünfzehn Personen lebten dort, stritten ständig ums Geld.
Natalja lächelte. Sie hatte das Wichtigste mitgenommen: sich selbst und ihren Sohn. Und Ilja? Er saß da in seinem kahlen Beton-Knast, gefangen in seinen eigenen Regeln.


