Mit über vierzig sucht man nicht mehr den Mond – man sucht Ruhe. Mit über vierzig träumt man nicht mehr von endlosen Dates unter dem Mond oder großen romantischen Versprechen.
Man wünscht sich etwas viel Einfacheres: menschliche Wärme, ein bisschen Ruhe und eine Tasse Tee in der Küche – zu zweit.Deshalb fühlte es sich für mich an, als hätte ich im Lotto gewonnen, als ich Sergej kennenlernte.
Sergej wirkte zuverlässig.Fünfundvierzig Jahre alt, geschieden, fleißig, ein Mann mit geschickten Händen – einer von denen, die einen Wasserhahn reparieren, ein Regal anbringen und im Haus alles in Ordnung halten können.
Wir begannen uns zu treffen, und alles war so leicht, so angenehm, so harmonisch, dass ich ihm nach nur zwei Monaten selbst vorschlug:— Sergej, warum sollen wir ständig hin- und herfahren?
Ich habe eine Zweizimmerwohnung, es ist genug Platz da. Zieh doch einfach zu mir.Und er zog ein.Der erste Monat war fast perfekt.
Er reparierte kleine Dinge im Haus, brachte den Müll raus, ohne dass ich ihn darum bitten musste, und abends kochten wir zusammen.
Meine Wohnung, die jahrelang still und leer gewesen war, füllte sich plötzlich mit Leben.

Ich dachte, ich hätte endlich gefunden, wonach ich gesucht hatte.Bis ich auf eine Dienstreise musste.Die AbwesenheitEs war nur für vierundzwanzig Stunden.Eine Konferenz in einer Nachbarstadt.
Ich fuhr früh am Samstagmorgen los.— Sergej, ich komme am Sonntag nach dem Mittag zurück. Ich werde ziemlich müde sein, — sagte ich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
— Kümmere dich in der Zwischenzeit um alles hier. Im Kühlschrank ist genug Essen.Er lächelte beruhigend.— Natürlich, Lena. Mach dir keine Sorgen.
Dann fügte er beiläufig hinzu:— Übrigens, heute ist das Pokalfinale. Darf ich die Jungs einladen? Wir schauen uns das Spiel ganz ruhig an. Ein Bier, ein paar Sonnenblumenkerne…
Ich zögerte kurz.Große Gesellschaften in meiner Wohnung mag ich eigentlich nicht besonders. Aber ich dachte, er wohnt jetzt schließlich auch hier. Er hat ebenfalls Rechte.
— In Ordnung, — sagte ich schließlich. — Aber bitte sei vorsichtig. Der Teppich im Wohnzimmer ist hell und das Sofa ist neu.Er machte eine theatralische Handbewegung.— Du beleidigst mich! Alles wird perfekt sein.
Wenn ich nur gewusst hätte, wie sehr ich mich irrte.Die RückkehrAm Sonntag gegen drei Uhr nachmittags kam ich zurück.Mein Kopf dröhnte noch von der Fahrt.
Ich wollte nur eine warme Dusche und ein bisschen Ruhe.Ich öffnete die Tür mit meinem Schlüssel.Und sofort traf mich der Geruch.Ein schwerer, abgestandener Geruch von billigem Bier, Rauch… und Fisch.
Ich blieb wie erstarrt stehen.Ich ging ins Wohnzimmer – und meine Tasche fiel mir aus der Hand.Mein warmes, ordentliches Wohnzimmer sah aus wie ein Bahnhofsbuffet nach einem Überfall.
Auf meinem beigen Sofa lagen Pizzakartons, einige offen, mit trockenen Resten darin.Auf dem hellen Teppich waren dunkle Flecken – Bier oder Soße, ich wollte es gar nicht genau wissen.Und überall… Schalen von Sonnenblumenkernen und Fischschuppen.
Auf dem Tisch stand eine ganze „Armee“ leerer Flaschen.Die Vorhänge waren zugezogen, die Luft stickig.Und mitten in diesem Chaos…lag Sergej auf dem Sofa und schlief. Angekleidet.
Eine heiße Welle aus Wut stieg in mir auf.Es war nicht einfach nur Unordnung.Es war blanke Missachtung meines Hauses. Meiner Arbeit.
Und letztlich – meiner selbst.Die KonfrontationIch ging zu ihm und rüttelte ihn an der Schulter.— Sergej. Wach auf.Er murmelte etwas, öffnete ein Auge und dann das andere.
— Oh… Lenotschka… du bist zurück? Ich habe mich nur kurz hingelegt…— Das sehe ich, — sagte ich kühl. — Was ist hier passiert?Er setzte sich langsam auf und rieb sich das Gesicht.
— Ach, nichts Besonderes. Die Jungs waren hier, wir haben Fußball geschaut. Wir haben gewonnen! Es war großartig.Ich deutete auf den Raum.
— Großartig? Sergej, du hast meine Wohnung in einen Stall verwandelt.— Fisch auf dem Teppich. Bier auf dem Sofa. Rauch überall.Er verzog das Gesicht.
— Warum regst du dich so auf? Es ist ein bisschen Bier verschüttet worden, das passiert doch jedem. Ich räume jetzt auf. Das ist doch nur ein kleiner Fleck.
Dann fügte er genervt hinzu:— Du empfängst deinen Mann mit einem Streit. Du benimmst dich wie eine Furie.Dieses „nur ein kleiner Fleck“ war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Die EntscheidungIch sah ihn ruhig an.— Du musst gar nichts aufräumen.Er lächelte erleichtert.— Na also. Du räumst ein bisschen auf und ich gehe kurz duschen—
— Nein, Sergej.Meine Stimme war eiskalt.— Du hast mich nicht verstanden. Du packst jetzt deine Sachen und gehst.Er sah mich an, als hätte er sich verhört.
— Wegen ein bisschen Unordnung? Meinst du das ernst? Wir wohnen doch zusammen!— Nicht mehr.— Ich habe einen erwachsenen Mann in mein Haus gelassen, keinen Teenager, der fremdes Eigentum nicht respektiert.
— Ich habe hart gearbeitet für diese Wohnung. Für diesen Teppich. Für dieses Sofa.— Und ich werde nicht in einer Männer-WG leben.Der Streit, der folgte, war heftig.
Er schrie, ich würde übertreiben, mir seien Dinge wichtiger als Menschen.Aber ich gab nicht nach.Vierzig Minuten später war er weg.Ich rief eine Reinigungsfirma. Ich hatte nicht einmal die Kraft, dieses Chaos selbst anzufassen.
EpilogLieber ein Fleck auf dem Teppich…als ein Fleck auf dem ganzen Leben.Ein Mensch, der sich schon nach einem Monat so verhält, wird mit der Zeit nur schlimmer.Und mit über vierzig habe ich keine Zeit mehr für solche Lektionen.
Mit Sergej habe ich mich geirrt.Aber wenigstens habe ich es früh genug erkannt.

