In der Tiefgarage verschluckte das dumpfe, tiefe Brummen der riesigen Lüftungen das Echo der Schritte. Das kalte Neonlicht fiel in grauen Flecken auf den Beton. Roman ging hinunter in die Ebene Minus zwei und knöpfte dabei langsam seinen Kaschmirmantel zu.
In der Luft hing ein erstickender Geruch aus rohem Beton, Abgasen und ausgekühltem Asphalt.Zwanzig Minuten zuvor hatte er noch im Konferenzraum mit Oleg gesessen. Das Gespräch war in einen Streit ausgeartet.— Wir müssen verkaufen. Jetzt. Das ist die einzige Chance — drängte Oleg.
— Ich verkaufe nicht. Ich habe zehn Jahre daran gearbeitet, um es einem Monopol zu überlassen — erwiderte Roman.Olegs Gesicht wurde rot, dann stürmte er wortlos hinaus und schlug die Glastür mit solcher Wucht zu, dass sie vibrierte.Jetzt, im halbdunklen Parkhaus, drückte Roman auf den Knopf seines Schlüsselanhängers.
Die Scheinwerfer des riesigen schwarzen Geländewagens blitzten freundschaftlich auf. Er griff bereits nach der kalten Chromtür, als er ein leises Rascheln von der Seite hörte.Jemand zog am Saum seines Mantels.Roman drehte sich um. Ein etwa achtjähriges Mädchen stand neben ihm.
Ihr Mantel war blass und viel zu groß, die Ärmel mehrfach umgeschlagen. Unter ihrer grauen Mütze lugten riesige, dicke Brillengläser hervor, deren Bügel mit Isolierband zusammengehalten wurde. In ihren Händen hielt sie ein abgewetztes Heft.— Herr… da darf man nicht hingehen…
sie haben die Bremsen durchtrennt — flüsterte sie und warf nervös einen Blick auf einen nahegelegenen Betonpfeiler.Roman hockte sich neben sie und blickte instinktiv umher.— Was hast du gesagt? Wie bist du hierher gekommen?— Ich saß hinter den Rohren.
Da kommt Wärme aus dem Gitter — sie deutete auf die dunkle Ecke. — Zwei Leute sind zum Auto gegangen. Einer kroch darunter mit einer Lampe. Der andere sagte: „Schnell. Sie fährt von selbst den Berg runter, und wir bleiben sauber.“Romans Magen zog sich zusammen.

An diesem Abend hatte er tatsächlich vorgehabt, über die Bergstraße aufs Land zu fahren. Und nur eine Person wusste davon.Oleg.Er rief sofort an.— Stas. Minus zwei. Jetzt. Und bring Leute und starke Lampen mit.Fünf Minuten später kroch der Sicherheitschef unter dem Auto hervor.
Seine Finger glänzten von Öl.— Das Bremssystem wurde manipuliert. Profi-Arbeit. Wenn man ein paar Mal auf das Pedal tritt, läuft die Flüssigkeit in Minuten aus. Auf dem ersten Gefälle wäre es vorbei gewesen.Roman sah das Mädchen an. Sie stand zurückgezogen da und trippelte in ihren abgewetzten Schuhen.
— Komm her — hielt er seine Hand hin. — Wie heißt du, meine kleine Retterin?— Katya — antwortete sie leise und legte ihre eiskalten Finger in seine Handfläche.Im Café im Erdgeschoss empfingen sie warme Lichter, der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und Vanille.
Katya hielt die heiße Schokolade mit beiden Händen und trank kleine Schlucke. Auf ihrer Oberlippe klebte ein Schaum-Schnurrbart, während sie gierig in ein Croissant biss.— Warum warst du alleine im Parkhaus? Wo sind deine Eltern? — fragte Roman.
— Mein Vater ist nicht da. Meine Mutter arbeitet in der Konservenfabrik. Zwei Schichten. Wenn sie nach Hause kommt, schlafe ich schon. Nach der Schule komme ich hierher. Es ist warm. Ich zeichne Leute, und wenn es ihnen gefällt, geben sie ein bisschen Geld.
— Wofür sparst du?— Für einen Arzt. Wenn ich nicht behandelt werde, werde ich bald mein Augenlicht verlieren.Roman betrachtete das Gesicht des Mädchens. Die Form der Augen. Die Linie des Kiefers. Etwas Vertrautes durchzuckte ihn.

— Zeigst du mir deine Zeichnungen?Im Heft schnelle, lebendige Striche: ein Kurier, ein schlafender Wachmann, eine streunende Katze. Auf der letzten Seite das Porträt einer Frau.Ein müdes Gesicht. Ein starrer Blick.Romans Finger zitterten.Es war Mama.
Die Frau, die er vor neun Jahren verloren hatte.— Katya… wo wohnt ihr?— Eine Stunde mit dem Bus, dann zu Fuß.— Dann gehen wir jetzt hin.Unterwegs tätigte Roman einen weiteren Anruf. Oleg wurde am Stadtrand zusammen mit seinen Komplizen gefasst.
Am nächsten Morgen stand Roman vor einer verfallenen Baracke. Auf dem kalten Hof wusch eine Frau Wäsche. Als sie ihn sah, fiel ihr das nasse Laken aus den Händen.— Mama… — flüsterte Roman.Die Frau wurde bleich.— Roma? Aber… die Großmutter hat gesagt, dass…
— Sie hat es mir auch gesagt… dass du tot bist.Sie standen lange still. Dann zog Roman sie in die Arme.Auf der Veranda beobachtete Katya sie. Roman ging in die Hocke und nahm ihr vorsichtig die dicke Brille ab.— Geh und pack deine Sachen. Ihr müsst hier nicht mehr bleiben.
Eine Woche später fanden sie den Betrüger, der mit dem für die Behandlung zurückgelegten Geld verschwunden war. Das Geld wurde zurückgebracht. Katya begann ihre Behandlung in einer guten Klinik in der Hauptstadt.Beim ersten Mal, dass sie die Brille abnahm, starrte sie lange nur.
— Jetzt ist alles scharf… — flüsterte sie.Sechs Monate später standen die drei am Grab der Großmutter. Mama legte Blumen nieder.Sie war nicht böse.Feiner Regen begann zu fallen. Roman legte seinen Mantel auf Mamas Schultern und hielt Katya an der Hand.
Und gemeinsam gingen sie auf das Tor zu — und ließen alles hinter sich, was ihnen bisher wehgetan hatte.


