„Das Geld habe ich schon ausgegeben, blamiere mich nicht!“ — meine Schwiegermutter brachte die Käufer zum Notar, ohne mit meiner Reaktion zu rechnen.

Die Wohnungstür stand offen, obwohl ich ganz sicher war, sie zweimal abgeschlossen zu haben. Ich trat ein, und der süßlich-üble Geruch von Corvalol schlug mir entgegen, vermischt mit einem starken, teuren Parfüm. Ein bizarrer Cocktail.

Vorsichtig stellte ich meine Tasche auf den Hocker. Aus der Küche drang die Stimme von Sinaida Karolowna. Sie sprach nicht – sie spulte ihre Worte herunter, als würde sie die Abendnachrichten im Staatsfernsehen verlesen:

— Montag, genau um zehn. Notar Baranow, Lenin-Straße. Ja, Irotschka, alles ist in Ordnung. Sie wird unterschreiben, was sollte sie sonst tun? Ich kenne sie, sie ist wie Knetmasse. Sie weint ein bisschen und unterschreibt dann. Wichtig ist, dass die Anzahlung bei mir ist. Alles gut, stoßt mit dem Sekt an!

Mein Körper spannte sich an, aber nicht aus Angst. Eher war es ein widerliches, klebriges Gefühl, als wäre ich in Schlamm getreten. Es ging um meine Wohnung – nicht um das kleine Studio, das Anton und ich gemietet hatten.

Das hier war mein Erbe von meiner Großmutter. Jahrelang hatte ich dafür gespart, und jetzt, da wir ein Kind planten, vermietete ich sie und legte das Geld für die Zukunft zurück.Ich ging in die Küche.

Das Bild hätte gemalt werden können: Sinaida Karolowna thronte am Tisch, vor ihr eine halb leere Flasche, Zitronenscheiben ordentlich ausgelegt, als wäre nichts geschehen. Anton, mein Mann, saß ihr gegenüber, hielt den Kopf in den Händen, als bereue er alles und hoffe zugleich, davonzukommen.

— Oh, Polina! — rief Sinaida Karolowna, ohne mich auch nur anzusehen. — Wir feiern. Setz dich.— Was feiern wir? — Meine Stimme klang heiser. — Den Verkauf meiner Wohnung?Anton zuckte zusammen, sah mich aber nicht an. Sinaida Karolowna nahm einen Schluck und biss in eine Zitronenscheibe.

— Nicht deine, Liebes — unsere. Eine Familienangelegenheit. Anton steckt in Schwierigkeiten. In ernsthaften. Er braucht dringend Geld. Deine kleine Wohnung reicht dafür völlig.Ich wandte mich an meinen Mann.— Eine Investition, Anton?

Endlich hob er den Blick, die Augen rot und trüb.— Pol… ich wollte doch nur das Beste… Ich habe in Krypto investiert, die Jungs haben es empfohlen… Ich habe alles verloren. Jetzt laufen Zinsen… Inkassoleute rufen an… Mama hat gesagt, sie hilft.

— Und ihr habt beschlossen, das auf meine Kosten zu regeln? — Meine Hände ballten sich zu Fäusten. — Ihr habt mich nicht einmal gefragt?— Warum sollten wir? — kicherte Sinaida Karolowna. — Du hättest nur eine Szene gemacht.

So ist alles schon geregelt. Ich habe Käufer gefunden, Bekannte von mir. Die Anzahlung von dreihunderttausend Rubel habe ich bereits an Antons Leute übergeben. Es gibt kein Zurück. Montag wird unterschrieben.

— Ich verkaufe nicht, — sagte ich fest. — Anton soll zwei Schichten arbeiten. Er kann sein Auto verkaufen. Meine Wohnung ist unantastbar.Sinaida Karolowna stand auf und beugte sich schwer über mich.

— Du verstehst nicht, Polina. Die Anzahlung ist bereits weg. Wenn der Vertrag platzt, muss ich das Doppelte zurückzahlen. So viel Geld habe ich nicht. Und Anton erst recht nicht. Willst du, dass jemand das Leben deines Mannes ruiniert? Oder dass eine Rentnerin bankrottgeht?

— Das sind eure Probleme, — sagte ich leise. Meine Beine zitterten.— Dann wird es so sein, — ihre Stimme wurde hart wie Stahl. — Am Montag gehst du zum Notar. Bring alles mit und lächle freundlich. Sonst wird dein Leben in dieser Stadt zur Hölle. Ich habe überall Verbindungen. Ich werde dich vernichten.

Sie leerte ihr Glas, nahm ihre Tasche und ging. Anton blieb schweigend sitzen.— Du hast sie in meinen Sachen wühlen lassen? — fragte ich leise.— Pol… ich hatte Angst… das sind ernste Leute…

— Und um mich hattest du keine Angst?Stille. In diesem Moment wurde mir klar: Mein Mann war nicht mehr da. Es war nur noch ein verängstigter kleiner Junge, der sich hinter seiner Mutter versteckte.

Das Wochenende verging wie im Nebel. Mir war übel — vor Nervosität oder vielleicht wegen meines kleinen Geheimnisses: Seit einer Woche wusste ich, dass ich schwanger war, und ich wollte Anton damit überraschen. Jetzt erschien es mir wie bittere Ironie.

Am Sonntagabend rief ich einen Anwalt an, einen alten Bekannten meiner Mutter. Zehn Minuten genügten. Der Plan stand.Der Montagmorgen war grau und verregnet. Schweigend saßen wir im Taxi. Anton nestelte nervös an seinem Mantelknopf, ich starrte auf den nassen Asphalt.

Im Notariat wartete Sinaida Karolowna bereits. Neben ihr stand ein älteres, gebildet wirkendes Ehepaar — vermutlich die „Käufer“.— Ihr seid zu spät! — fauchte sie. — Kommt, der Notar wartet.Sie packte meinen Arm und drückte fest zu.

— Wage es nicht, dort Unsinn zu reden! — zischte sie. — Lächle.Im Büro roch es nach Papier und Parfüm. Hinter dem Schreibtisch saß ein strenger Mann mit goldenen Manschettenknöpfen — der Notar.

Wir setzten uns. Die Käufer sahen mich hoffnungsvoll an.— Eine wunderbare Wohnung, Polina, — sagte Wera Pawlowna. — Sinaida hat uns alles erzählt. Sie ist für unseren Enkel, er kommt zum Studieren hierher.

Für einen Moment tat ich ihnen leid. Dann erinnerte ich mich an das Lächeln meiner Schwiegermutter in der Küche.— Die Unterlagen? — fragte der Notar trocken.Sinaida stieß mich an.— Na los, die Papiere!

Ruhig öffnete ich meine Tasche und holte die blaue Mappe heraus. Meine Schwiegermutter lächelte triumphierend.Ich öffnete sie. Darin lag nur ein Blatt: eine Kinderzeichnung von mir, aus meinem fünften Lebensjahr — ein kleines Haus mit Schornstein.Der Notar hob die Augenbraue.

— Das ist… was?— Das ist alles, — sagte ich ruhig. — Die Originaldokumente liegen in der Bank. Den Schlüssel habe ich. Mehr bekommen Sie nicht.Stille. Nur das Ticken der Wanduhr war zu hören.

— Du… — Sinaidas Gesicht wurde fleckig rot. — Was hast du getan? Die Papiere lagen im Schrank!— Nur Kopien, — lächelte ich. — Die Originale bewahre ich schon lange nicht mehr zu Hause auf. Man weiß ja nie — Diebe, neugierige Verwandte…

— Polina! — schrie sie. — Unterschreib sofort! Die Käufer warten! Ich habe das Geld schon ausgegeben!Dieser Satz traf wie ein Blitz. Boris Iwanowitsch wurde blass.— Einen Moment, — seine Stimme zitterte. — Sinaida, Sie sagten, die Eigentümerin sei einverstanden.

Sie haben dreihunderttausend Rubel Anzahlung von uns genommen… Sie haben sie ausgegeben?— Ich… ich gebe sie zurück! — stammelte sie. — Später… Polina, sei kein Ungeheuer! Hilf deinem Mann!

Ich stand auf.— Sehr geehrter Herr Notar, sehr geehrte Käufer, — sagte ich. — Ich verkaufe die Wohnung nicht. Ich hatte es nie vor. Diese Frau hat Sie getäuscht, um die Spielschulden ihres Sohnes auf meine Kosten zu decken.

— Spielschulden? — keuchte Wera Pawlowna. — Sinaida… Sie sagten, es gehe um eine ernsthafte Behandlung…Anton war in seinem Stuhl zusammengesunken, als wollte er unsichtbar werden.— Polina, ich bring dich um! — schrie Sinaida. — Du wirst arm hier rausgehen!

— Ich gehe leicht hier raus, — antwortete ich ruhig. — Aber Sie, Sinaida Karolowna, werden sich mit der Polizei auseinandersetzen müssen. Boris Iwanowitsch, ich rate Ihnen dringend, Anzeige wegen Betrugs zu erstatten. Haben Sie eine Quittung?

— Ja, — nickte er verwirrt.Ich nahm meine Kinderzeichnung und ging.— Polina! — rief Anton hinter mir her. — Warte! Und was ist mit mir?Ich drehte mich in der Tür um— Anton, du bist ein erwachsener Mann. Du musst auslöffeln, was du dir eingebrockt hast. Deine Mutter wird dir helfen — sie ist ja immer da.

Ich trat hinaus in die frische Luft nach dem Regen. Endlich konnte ich wieder frei atmen.Mein Telefon klingelte ununterbrochen, aber ich schaltete es aus. Die kommende Scheidung, die Streitereien, der Immobilienzirkus — all das spielte keine Rolle mehr.

Das Wichtigste war: Ich hatte etwas bewahrt, das mehr wert war als jede Wohnung — meine eigene Würde.

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