Ruslan stand mitten im Krankenzimmer, die Hände in den Taschen seiner teuren italienischen Schuhe vergraben, und musterte angewidert die abgeblätterten Wände. Alles hier wirkte falsch, unvollkommen – genau wie er selbst an diesem Ort.— Ich habe alles vorbereitet, — seine Stimme war kühl, geschäftsmäßig,
ohne Gruß, ohne Nachfrage. So sprach er mit Bauleitern, die Fristen verpasst hatten. — Hier ist die Verzichtserklärung für das Kind und der Scheidungsantrag. Unterschreibst du jetzt, bekommst du eine Abfindung. Reicht, um ein Zimmer zu mieten. Wenn nicht, gehst du mit leeren Händen, so wie du gekommen bist.
Dascha starrte ihn an. Drei Jahre hatte sie neben ihm kaum zu atmen gewagt. Ruslan, der mächtige Besitzer einer Autohandelskette, der Mann, der sie aus ihrem einfachen Leben in die glänzende Welt der Großstadt geholt hatte, stand nun da und wirkte fremd. Früher hatte er ihr billige Kleidung verboten,
ihr den Kontakt zur Familie abgeschnitten, aus ihr eine perfekte, stille Puppe für gesellschaftliche Anlässe geformt.— Ruslan… aber das ist unser Sohn… Timur, — flüsterte sie. Ihre Lippen zitterten, die Kehle trocken. — Die Ärzte sagten, er hat eine Besonderheit, aber nichts Ernstes.
Es gibt so viele Methoden heutzutage. Wir haben genug Mittel, um ihn stark zu machen…— „Wir“? — Ruslans Gesicht verzog sich, als hätte er in eine Zitrone gebissen. — Es gibt kein „wir“, Dascha. Ich habe einen Ruf. Gesunde Geschäfte, gesunde Familie. Ich brauche einen Erben, keinen…
— er deutete vage Richtung Flur — Ich werde nicht vor meinen Geschäftspartnern bluten, weil ich ein behindertes Kind hinter mir herziehe.Er trat näher, beugte sich über das Bett. Sein teures Parfum roch nach Tabak und kaltem Leder. Früher hatte es sie benommen gemacht, jetzt wurde ihr übel.

— Nimm deinen Mangel und verschwinde! — zischte er. — Zwei Tage. Die Wohnung ist bis Montag bezahlt. Dann tausche ich die Schlösser aus. Und die Autoschlüssel gibst du dem Fahrer. Zu Fuß ist gesünder.Er wandte sich abrupt ab und ließ die Tür mit einem Knall hinter sich zuschlagen.
Dascha blieb allein. Nur das Tropfen des Wassers im Waschbecken und das Summen einer Fliege im Fenster begleiteten sie.— Was für ein Mistkerl… — eine raue Stimme erklang.Dascha zuckte zusammen. Hinter dem Vorhang erschien Larissa, eine kräftige Frau Mitte vierzig vom Markt.
— Das Kind kann nichts dafür, — sagte Larissa später. — Besonders? Na und? Gott prüft uns nur so weit, wie wir es tragen können.Sie gingen zum Kinderbereich. Timur schlief friedlich, dunkler Flaum bedeckte seinen Kopf. Plötzlich huschte ein helles Lächeln über sein Gesicht. Rein, unschuldig, unbestechlich.
„Mangel?“ dachte Dascha. Nein. Er war kein Fehler. Er war ein Geschenk.Zurück im Zimmer wählte sie zitternd die Nummer ihres Vaters.— Papa… ich bin’s.— Ich weiß, — brummte er. — Was ist passiert?— Ich habe einen Sohn. Timur. Und Ruslan hat uns rausgeschmissen.
Eine kurze Pause.— Wisch die Tränen weg, Darja. Du bist zu Hause. Dein Zimmer steht noch. Wann die Entlassung?— Übermorgen, um zehn.— Wir kommen.Am Tag der Entlassung stand Ruslan mit seinem schwarzen Geländewagen vor dem Krankenhaus.
— Na? — er streckte die Hand aus. — Die Schlüssel. Die Verzichtserklärung.— Es wird keine geben, — sagte Dascha fest. — Unterhalt klage ich vor Gericht. Die Scheidung bekommst du dort.— Du wirst untergehen! — brüllte er.— Etwas leiser! — ertönte eine neue Stimme.
Ein glänzender Geländewagen hielt vor ihnen. Ihr Bruder Sascha stieg aus, groß wie ein Berg. Dahinter folgte ihr Vater, Pjotr Nikolajewitsch, ruhig und resolut.Der Vater nahm das Baby behutsam in die Arme.— Na, willkommen, Timur Petrowitsch. Unser Blut erkennt man sofort.
Ruslan wollte zurückschlagen, die Kontrolle wiedergewinnen.— Das ist meine Frau —— War deine, — sagte Sascha ruhig. — Jetzt steht sie unter unserem Schutz.Dascha warf die Schlüssel in eine Pfütze vor Ruslans Füße.— Das ist dein Wert, — sagte ihr Vater. — Metall. Wir haben Familie.
Fünf Jahre vergingen.Im Dorf Lesogorsk lebten sie ruhig. Dascha arbeitete im Kinderzentrum. Timur entwickelte sich langsamer, doch sein Lächeln wärmte jeden, der es sah.Eines Herbsttages trafen sie Ruslan im Park. Abgetragen, gealtert, ohne die Aura des Mannes, der er einmal war.
— Vielleicht… können wir reden? Ich bin sein Vater. Allein jetzt…Timur hielt ihm ein Karamellbonbon hin.— Hier, Onkel. Sei nicht traurig.Ruslans Hände zitterten.— Nimm es, — sagte Dascha ruhig. — Und geh. Timur hat einen Vater. Meinen. Du hast damals deine Wahl getroffen, in jener Pfütze mit den Schlüsseln.
Sie gingen die sonnendurchflutete Allee entlang. Ruslan blieb zurück, die billige Süßigkeit in der Hand, wie das Kostbarste, das er nun besaß – und begriff, dass dieser Zug für immer abgefahren war.


