— Inna, wo hast du die Schlüssel zur Abstellkammer hingelegt? — Faina Stepanownas Stimme schnitt durch die Küche wie ein Messer, scharf und unerbittlich. Sie stand am Herd, eingehüllt in einen ausgeblichenen Bademantel mit Gänseblümchenmuster, den Holzlöffel wie einen Dolch in der Hand.
— Welche Schlüssel? — Inna ließ die Gurkenscheiben auf dem Schneidebrett nicht aus den Augen und warf ihrer Schwiegermutter nur einen flüchtigen Blick zu. Die Klinge des Messers fing das Licht und blitzte kurz auf. — Sie liegen doch immer in der Schublade am Eingang.
— Liegen sie nicht! Ich habe nachgesehen! — Faina klopfte mit dem Löffel gegen den Topfrand, und heiße Suppenspritzer landeten auf den Fliesen. — Du veränderst alles nach deinem Geschmack! Das hier ist meine Wohnung, und du benimmst dich, als wärst du die Herrin!
Inna legte das Messer langsam auf das Schneidebrett. Ihre Augen verengten sich, die Lippen pressten sich zusammen. Mit einer Mischung aus Zorn und Fassungslosigkeit wandte sie sich zu Faina, jede Bewegung wie auf einer Bühne inszeniert.
— Entschuldigen Sie, was? — Ihre Stimme bebte vor aufsteigendem Ärger, nicht vor Angst. — Ihre Wohnung? Seit wann denn das, Faina Stepanowna?Faina richtete sich auf, das Kinn hoch erhoben, das graue Haar zum strengen Dutt gebunden, das Haarspray glänzte wie Metall unter der Küchenlampe.
— Seit dem Tag, an dem ich hier eingezogen bin, Innochka! — Sie deutete auf das Wohnzimmer. — Ich habe die Hochzeit bezahlt, die Möbel hergebracht, die Vorhänge aufgehängt! Glaubst du, das ist von selbst entstanden?Inna trat einen Schritt vor, die Hände in die Hüften gestemmt.
Ihre kastanienbraunen Haare fielen aus dem Zopf, umrahmten das erhitzte Gesicht.— Wirklich? Die Hochzeit bezahlt? Wir haben drei Jahre lang den Kredit abbezahlt! Und die Möbel? Onkel Grisha und Zina haben sie hergebracht, weil Sie Ihren Rücken nicht belasten konnten!
In diesem Moment schlug die Haustür auf. Misha betrat die Küche, seine schweren Schritte hallten über das Parkett wie Trommeln vor einer Schlacht. Er zog die nasse Jacke aus, sein Blick war müde, doch aufmerksam.— Was ist das für ein Geschrei am Morgen?
— brummte er, die Autoschlüssel auf den Tisch werfend.— Misha, sag deiner Frau, sie soll keine Geschichten erfinden! — Faina wandte sich ihm zu, die Stimme weich, aber immer noch voller Vorwürfe. — Sie stellt mir mein Leben auf den Kopf, aber ich habe doch immer nur für euch gekämpft!

— Mama, wovon redest du überhaupt? — Misha runzelte die Stirn, sein Blick pendelte zwischen Mutter und Frau.Inna deutete auf Faina, die Stimme scharf wie ein Pfeil:— Sie hat gesagt, das hier sei ihre Wohnung! Hast du das gehört? Wir wohnen hier seit sieben Jahren, zahlen die Hypothek,
und sie tut so, als sei sie die Herrin!Misha erstarrte. Seine Hand, die nach einem Glas greifen wollte, blieb in der Luft hängen. Langsam wandte er sich zu seiner Mutter:— Mama, hast du das wirklich gesagt?Faina verschränkte die Arme, ein verächtliches Lächeln auf den Lippen:
— Was, es stimmt nicht? Wenn nicht ich, würdet ihr noch in einer Studentenbude hocken! Ich habe hier alles hineingelegt — meine Energie, meine Mühe — und jetzt seid ihr undankbar?Inna lachte bitter, die Luft schien zu knistern:
— Deine Mühe? Du bist hier vor drei Jahren eingezogen, nachdem Onkel Grisha euch aus dem Dorf geholt hat! Und das nur, weil euer Haus verkauft wurde und das Geld irgendwo verschwand!— Wage es nicht! — Faina trat einen Schritt auf Inna zu, ihre Augen blitzten.
— Wage es nicht, mir vom Geld zu erzählen! Ich habe es für euch ausgegeben!Der Streit flammte wie ein Feuer auf trockenem Holz. Misha versuchte einzuschreiten:— So, genug! Beruhigt euch! Mama, warum hast du das gesagt? Das ist unsere Wohnung, du weißt das!
Doch Faina hörte nicht zu. Ihre Stimme bebte vor verletzter Stolz:— Ach, unsere mit Inna? Und ich bin niemand? Ich habe dich großgezogen, Misha, nachts kein Auge zugemacht, und jetzt treibt ihr mich hinaus?Inna hob die Hände:
— Wer treibt dich hinaus? Das hast du alles selbst erfunden!Jahre voller unausgesprochener Konflikte lagen zwischen ihnen. Inna und Misha, jung verheiratet, aus einfachen Verhältnissen, hatten ihre Wohnung hart erkämpft. Faina, herrschsüchtig und kontrollierend,
sah sich als Königin des Hauses, während Inna und Misha zwischen Liebe und Respekt zerrieben wurden.Schließlich trat Inna einen Schritt zurück, die Stimme ruhig, aber fest:— Ich halte dich nicht auf, Faina Stepanowna. Willst du herrschen — bitte. Aber nicht in unserem Haus.
— In deinem Haus? — Faina funkelte, doch ein Hauch von Zweifel erschien.— Mama, hör auf! — Misha schlug die Faust auf den Tisch. — Das ist unfair! Inna hat nicht weniger gearbeitet als ich!Faina schwieg, blickte aus dem Fenster, das graue Licht fiel auf ihr Gesicht. Sie murmelte:
— Undankbare…Inna atmete tief ein, die Stimme klar:— Misha, ich kann so nicht mehr. Entweder sie erkennt an, dass dies unser Zuhause ist, oder ich weiß nicht, wie es weitergeht.Misha legte ihr sanft die Hand auf die Schulter:— Ich wähle dich. Schon lange. Ich wusste nur nicht, wie ich Mama stoppen sollte.
Inna lächelte schwach, ein Lächeln aus Erleichterung, nicht aus Triumph. Sie standen still, bis die Haustür unten zugeschlagen wurde.Faina sank in einen Stuhl, die Hände um die Tasse heiße Brühe geschlossen, die Finger nicht mehr krampfhaft. Ihr Blick auf die Suppe gerichtet,
begann sie zu erkennen, dass Kontrolle nicht gleich Liebe ist.Eine Stunde später kamen Grisha und Zina herein, einfach, aber weise wie alte Bäume. Grisha warf den Kartoffelsack auf den Tisch:— Na, Faya, wieder Krieg geführt?Faina hob die Augen, doch ihre Stimme war leiser:
— Es ist… schwer.— Du bist gewohnt, alle zu kontrollieren. Aber sie sind keine Kinder mehr. Zeig, dass du Mutter bist, nicht Herrscherin. — Grisha tippte die Zigarette gegen den Tisch, ohne sie zu rauchen.Zina legte ihre Hand auf Fainas Schulter:
— Sie werden dich nicht vergessen. Aber lass sie leben.Als Misha und Inna zurückkehrten, war die Küche ruhig, die Suppe dampfte noch. Faina saß da, nicht mehr als Königin, sondern als Frau, die gelernt hatte, loszulassen. Löffel klirrten, leises Lachen erfüllte den Raum,
und draußen klarte der Himmel nach dem Sturm auf.


